Diese Frage beschäftigt mich schon länger. In den letzten Wochen allerdings ein bisserl öfter, als mir lieb ist. Und ich könnte jetzt natürlich schreiben, dass Selbstständigkeit eben Höhen und Tiefen hat, dass man sich immer wieder neu erfinden muss und Veränderungen auch Chancen sind. Aber das hilft mir nur gerade nicht besonders.
Ich bin seit vielen Jahren selbstständig. Ich habe Bücher geschrieben, Onlinekurse entwickelt, unzählige Workshops gehalten und habe wahrscheinlich genügend Papier bedruckt, beschrieben und verarbeitet, um damit zumindest ein kleineres Einfamilienhaus zu tapezieren. 😜
PapierLiebe war nie nur irgendeine Idee, die ich einmal ausprobieren wollte. Dieses Business begleitet mich schon sehr lange, seit mittlerweile mehr als 15 Jahren! Und trotzdem bin ich inzwischen an einem Punkt angekommen, an dem es sich in seiner jetzigen Form wirtschaftlich nicht mehr ausreichend trägt.
Puh. Das so schwarz auf weiß hinzuschreiben, fällt mir ehrlich gesagt nicht leicht!
Wenn viel Arbeit am Ende ziemlich klein aussieht
Nehmen wir mal meinen Onlinekurs → Print a Garden als Beispiel:
Für ein neues Kursvideo probiere ich zuerst aus, welche Technik ich zeigen möchte. Dann bereite ich alles vor, filme, fotografiere und räume das kreative Schlachtfeld danach wieder halbwegs zusammen – meistens zumindest 🫣 Anschließend wird das Video geschnitten und hochgeladen, ich schreibe Texte dazu und irgendwann landet das fertige Video im Kurs.
Dort sieht man dann vielleicht zehn oder fünfzehn Minuten Video. Pflanzen, Farben, Papier und meine Hände beim Drucken. Eigentlich recht idyllisch. Auf meinem Konto sieht die Geschichte aber manchmal weniger romantisch aus. 😉
Natürlich wusste ich immer, dass Selbstständigkeit nicht bedeutet, acht Stunden am Tag gemütlich kreativ zu sein und anschließend Rechnungen für meine wunderbaren Ideen zu verschicken. Aber irgendwie hat sich das Verhältnis verändert.
Kreativ-Workshops zu verkaufen ist schwieriger geworden. Menschen überlegen genauer, wofür sie Geld ausgeben. Auch Onlinekurse funktionieren heute anders als noch vor ein paar Jahren. Darüber habe ich vor Kurzem schon in meinem Artikel → Sind Kreativ Workshops Luxus? geschrieben.
Und ein Satz wie „Aber ich mach das doch so gern“ ist zwar schön, nur leider kein besonders überzeugendes Geschäftsmodell. Mein Steuerberater akzeptiert ihn jedenfalls nicht als Zahlungsmittel und beim Supermarkt habe ich es noch nicht probiert. 😉
Bin ich vielleicht schon zu alt für den ganzen Zirkus?
Diese Frage geht mir in letzter Zeit tatsächlich manchmal durch den Kopf. Während ich diesen Artikel schreibe, bin ich übrigens 47. Also bitte. Hätten wir das nun auch geklärt … 🤣
Und natürlich weiß ich, dass ich damit nicht zu alt bin, um eine Website zu betreiben, einen Onlinekurs zu erstellen oder mich mit KI zu beschäftigen. Trotzdem merke ich, dass ich bei manchen Dingen einfach nicht mehr so schnell bin.
Nicht unbedingt, weil mir das Wissen oder die Routine fehlt. An manchen Stellen fehlt mir sicher auch Know how, keine Frage. Aber ich arbeite seit vielen Jahren auf eine bestimmte Art. Ich mache vieles selbst, habe meine eigenen Abläufe und möchte immer auch verstehen, was ich da eigentlich tue. Und ich probiere und experimentiere gerne herum.
Das war bei mir schon immer so. Wenn ich eine neue Technik entdecke, möchte ich wissen, was passiert, wenn ich dieses oder jenes Papier nehme, oder eine andere Farbe oder das Ganze einfach komplett anders mache, als es in der Anleitung steht.
Bei meiner Arbeit ist es eigentlich genauso. Nur habe ich manchmal das Gefühl, dass für dieses Herumprobieren immer weniger Zeit bleibt. Während andere etwas scheinbar in nullkommanix mit KI erstellen, automatisieren oder veröffentlichen, sitze ich noch da und tüftle an meiner eigenen Variante. Dabei arbeite ich selbst längst mit KI und finde vieles daran richtig spannend. Nur bin ich offenbar auch mit KI noch jemand, der ausprobieren, verändern und ungefähr siebzehnmal überlegen muss, ob es wirklich zu mir passt. 😉
Und ja, manchmal frage ich mich dann schon:
Bin ich einfach zu langsam geworden oder möchte ich nur nicht alles so schnell machen?
Denn rund um mein eigentliches Kreativsein ist in den vergangenen Jahren immer mehr dazugekommen: Datenschutz, Cookie Banner, Newsletter-Einstellungen, rechtliche Vorgaben, SEO, inzwischen auch GEO, Social Media und natürlich KI – um nur ein paar Dinge davon zu nennen.
Und bevor jetzt jemand glaubt, ich würde am liebsten meinen Computer aus dem Fenster werfen: Nein, so schlimm ist es tatsächlich gar nicht. Ich finde vieles davon spannend. Ich beschäftige mich gerne mit meiner Website und ich mag SEO und finde es faszinierend, was sich gerade durch KI alles verändert.
Nur möchte ich irgendwann halt auch wieder eine Gelplatte einfärben.
Vor ein paar Tagen wollte ich mich eigentlich um ein kreatives Projekt kümmern und bin stattdessen wieder irgendwo zwischen WordPress, Cookie Banner und diversen Einstellungen hängen geblieben. Ein paar Stunden später dachte ich mir: Ich wollte heute eigentlich drucken.
Und solche Tage gibt es inzwischen leider ziemlich oft. Um nicht zu sagen, sie sind inzwischen mein Daily Business geworden!
Kaum glaube ich, bei einem Thema halbwegs durchzublicken, verändert sich schon wieder etwas. Ein Plugin funktioniert plötzlich anders. Google schraubt irgendwo herum. Und bei KI habe ich manchmal das Gefühl, ich bin noch dabei herauszufinden, was gestern neu war, während heute schon die nächsten fünf Dinge dazukommen.
Das ist vermutlich auch eine der Herausforderungen, wenn man wie ich als EPU arbeitet. Da gibt es keine eigene IT-Abteilung, niemanden fürs Marketing und auch niemanden, dem ich schnell einmal die Website-Baustelle auf den Schreibtisch legen kann. Natürlich könnte ich vieles davon auslagern. Aber auch das kostet Geld und wenn ein Business wirtschaftlich nicht so gut läuft, überlegt man sich zweimal, was man selbst macht und wofür man jemanden beauftragt. Und so landet ziemlich viel davon eben wieder bei mir.
Währenddessen liegen meine Ideen auf meinem Schreibtisch herum. Wobei „liegen“ bei meinem Schreibtisch ein relativ dehnbarer Begriff ist. Sie werden dort eher kreativ überlagert. 😉 Darüber habe ich übrigens schon einmal geschrieben: in meinem Kreativ♡Leben Beitrag → Ideen brauchen Platz.
Und dann wäre da noch das Verkaufen
Bei all den Dingen, die sich rundherum verändert haben, wäre es allerdings ziemlich einfach, die Schuld nur dort zu suchen. Denn einen Anteil daran habe ich vermutlich selbst.
Ich verkaufe nämlich nicht besonders gerne.
So. Jetzt ist es raus. 🫣
Ich entwickle gerne neue Ideen. Ich probiere aus, tüftle herum, fotografiere und schreibe. Und ich teile sehr gerne, was dabei entstanden ist.
Nur mich selbst und meine Arbeit ständig zu vermarkten, liegt mir wesentlich weniger. Ich stehe nicht besonders gerne im Rampenlicht. Und ich habe auch nicht das Bedürfnis, mein Handy aufzustellen und mich bei allem zu filmen, was ich gerade mache.
Wobei ich mich sowieso regelmäßig frage, wie andere das eigentlich machen. Laufen die den ganzen Tag mit einem Handy-Stativ durch die Gegend? Oder steht da ständig jemand daneben und filmt? 😅 Ich meine das durchaus ernst. Denn wenn ich mitten in einem kreativen Prozess bin, denke ich an alles Mögliche. Nur meistens nicht daran, rechtzeitig mein Handy aufzustellen.
Dabei wären genau diese Einblicke wahrscheinlich wichtig. Wenn ich eine neue Drucktechnik ausprobiere, denke ich allerdings meistens an die Drucktechnik. Nicht daran, ob das jetzt eine gute Szene für ein Reel wäre.
Wenn ich Papier schöpfe, möchte ich Papier schöpfen. Und wenn mir dabei plötzlich eine Idee kommt, möchte ich ausprobieren, ob sie funktioniert. Das Handy liegt dann meistens irgendwo – nur halt nicht dort, wo es filmen könnte. 😉
Natürlich kann ich gleichzeitig nicht erwarten, dass Menschen meine Kurse, Workshops oder Bücher kaufen, wenn ich kaum darüber spreche.
Ein Business braucht Verkauf.
Und vielleicht könnte PapierLiebe wirtschaftlich erfolgreicher sein, wenn ich viel mehr davon machen würde. Wenn ich sichtbarer wäre, häufiger posten würde und meine Angebote wesentlich offensiver vermarkten würde.
Nur frage ich mich auch: Wie viel von meiner Zeit möchte ich eigentlich fürs Verkaufen verwenden und wie viel soll noch für meine Ideen übrig bleiben?
Was mache ich jetzt mit dieser Erkenntnis?
Das würde ich dir an dieser Stelle wirklich gerne sagen. Kann ich aber leider nicht. 🤷♀️
Ich weiß im Moment selbst noch nicht, wie PapierLiebe in ein paar Monaten aussehen wird. Ich denke viel darüber nach, was weiterhin zu mir passt, was wirtschaftlich überhaupt noch Sinn macht und wo ich vielleicht etwas verändern muss.
An Ideen mangelt es jedenfalls nicht. Dafür liegen viel zu viele davon auf meinem Schreibtisch und manche schwirren in meinem Kopf herum. Dann wären da noch diverse Notizbücher und vermutlich irgendwelche Zettel, die ich gerade nicht finde. 😉
Trotzdem weiß ich, dass es so wie bisher nicht einfach weitergehen kann. Vielleicht wird manches kleiner. Vielleicht verändert sich mein Angebot. Vielleicht finde ich eine Form, in der wieder mehr Zeit für das bleibt, was PapierLiebe für mich eigentlich ausmacht.
Mein Herz hätte jedenfalls genügend Ideen für die nächsten sieben bis zwölf Jahre. Eher zwölf. 😉 Mein Kopf rechnet inzwischen ein bisserl genauer nach. Und mein Bankkonto hat leider auch eine Meinung dazu.
Deshalb beschäftigt mich eine Frage immer wieder:
Muss ich Dinge machen, die mir keinen Spaß machen und mir kaum noch Zeit und Raum für Kreativität lassen, nur damit PapierLiebe wieder wirtschaftlich wird?
Wie soll ich dabei kreativ bleiben?
Auch darauf habe ich keine Antwort. Aber vielleicht muss ich sie auch nicht heute finden.
Alles Liebe ♡

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