Drucken mit Wellpappe: Einfache Drucktechnik mit Struktur

Das Projekt Wellpappen-Druck liegt seit fast zwei Jahren hier auf meinem Schreibtisch. Meistens zumindest theoretisch sichtbar. Praktisch eher gut versteckt – irgendwo zwischen Papierstapeln, Skizzen, Farbtuben und ungefähr 27 anderen „unbedingt bald umsetzen“-Ideen.

Wenn du meinen Arbeitsplatz kennen würdest, wüsstest du: Dinge verschwinden hier nicht. Sie werden nur kreativ überlagert 😉 Und genau so ging es auch diesem Experiment rund ums Drucken mit Wellpappe – einer einfachen und nachhaltigen Drucktechnik mit Karton. Damals habe ich einfach drauflosgeschnitten. Ein Stück Karton, ein Cutter, ein paar Blattformen. Mehr nicht. Ich wollte nur testen, ob Drucken mit Wellpappe wirklich funktioniert.

Spoiler: Es funktioniert. Und wie.

Ich habe die obere Schicht vorsichtig abgezogen, die Wellenstruktur freigelegt – und plötzlich war da eine Druckplatte mit Tiefe, Charakter und überraschend viel Ruhe. Trotzdem habe ich es nicht sofort gezeigt. Kennst du das? Manchmal brauchen Ideen ein bisschen Reifezeit. Oder sagen wir es mal so: Manchmal brauche ich einfach Zeit, um zwischen all meinen Papierbergen und Ideen wieder Luft zu holen. 😅

Heute ist genau dieser Moment. Ich zeige dir, wie Drucken mit Wellpappe funktioniert – und warum diese einfache Drucktechnik so viel mehr kann, als man ihr auf den ersten Blick zutraut.

Diese nachhaltige Drucktechnik mit Karton eignet sich sowohl für klassische Reliefdrucke als auch für kreative Gelli-Print-Hintergründe.

Was ist Drucken mit Wellpappe eigentlich?

Beim Drucken mit Wellpappe arbeitest du mit der typischen Rillenstruktur des Kartons. Du entfernst gezielt die obere Papierlage. Dadurch entsteht eine erhabene Oberfläche – und genau diese erhabenen Stellen nehmen später die Farbe an.

Drucken mit Wellpappe – Reliefstruktur-Muster

Drucken mit Wellpappe ist eine einfache DIY-Drucktechnik mit Karton, die auch für Anfängerinnen wunderbar geeignet ist. Technisch gehört diese Drucktechnik zum Reliefdruck. Gedruckt wird alles, was erhöht stehen bleibt. Alles, was tiefer liegt, bleibt heller.

In meinem Fall arbeite ich überwiegend subtraktiv. Das bedeutet: Ich nehme Material weg, statt etwas aufzukleben. Dadurch unterscheidet sich diese Technik von der klassischen Collagrafie, bei der häufig additiv gearbeitet wird.

Für dich ist aber vor allem wichtig: Du brauchst keine Druckpresse. Keine Linolplatten. Kein spezielles Equipment. Nur Wellpappe, Farbe und Lust auf ein Experiment.

Anleitung: So funktioniert Drucken mit Wellpappe auf der Gelli Platte

Das brauchst du:

1. Motiv vorbereiten

Zeichne dein Motiv direkt auf die Wellpappe oder arbeite frei. Für den Anfang eignen sich größere Formen besonders gut. Blätter, Zweige oder grafische Flächen funktionieren wunderbar.

2. Struktur freilegen

Schneide vorsichtig die oberste Papierlage ein. Achte darauf, nicht zu tief zu schneiden, damit die Stabilität erhalten bleibt. Ziehe dann die obere Schicht ab. Die darunterliegende Wellenstruktur wird sichtbar – sie ist das Herzstück deines Wellpappen-Drucks.

Drucken mit Wellpappe – freigelegte Rillenstruktur beim subtraktiven Reliefdruck mit Cutter und Karton

3. Farbe auf die Gelli Plate auftragen

Gib eine kleine Menge Acrylfarbe auf die Gelli Plate und rolle sie dünn aus. Wirklich dünn. Wenn es zu viel wird, verschwindet später die Struktur – und das wäre schade.

4. Wellpappe wie einen Stempel verwenden

Jetzt kommt deine vorbereitete Wellpappe ins Spiel. Drücke sie wie einen Stempel vorsichtig in die eingefärbte Gelli Platte. Nicht schieben, nicht ziehen – wirklich nur aufsetzen und leicht andrücken. Die erhabenen Stellen nehmen Farbe auf oder verdrängen sie – je nachdem, wie stark du drückst. So entsteht dein Muster. Und ja, genau hier darfst du ein bisschen spielen. Mal mehr Druck. Mal weniger. Das gehört dazu.

5. Papier auflegen

Lege dein Papier vorsichtig auf die Gelli Platte und streiche sanft darüber, damit sich die Farbe gut überträgt.

6. Abziehen

Ziehe das Papier langsam ab – und schau dir dein Ergebnis an. Die Wellpappen-Struktur wirkt jetzt wie gedruckte Linien mit Tiefe.

Gelli Print mit Wellpappe – lineare Muster durch freigelegte Kartonstruktur auf der Gelplatte

Warum diese Drucktechnik so besonders ist

Drucken mit Wellpappe verbindet Einfachheit mit Struktur. Das Material ist rau. Es franst aus. Es ist nicht perfekt. Und genau deshalb wirkt der Druck lebendig. Jede Wellpappe ist anders. Jede Rille verläuft ein bisschen unregelmäßig. Dadurch entstehen einzigartige Ergebnisse – selbst, wenn du dasselbe Motiv zweimal druckst.

Wellpappe als Strukturwerkzeug – perfekt für Gelli Print

Und jetzt kommt der Teil, den ich fast noch mehr liebe.

Wellpappe funktioniert nicht nur als Druckplatte. Du kannst sie auch ganz einfach als Strukturwerkzeug verwenden – zum Beispiel beim Gelli Print.

Wenn du mit einer Gelli Platte arbeitest, kannst du ein Stück Wellpappe seitlich in die feuchte Farbe drücken oder über die Platte ziehen. Die Rillen hinterlassen dabei wunderschöne lineare Muster. Mal ruhig und gleichmäßig. Mal lebendig und leicht gebrochen. Gerade beim Gelli Print entstehen dadurch spannende Hintergründe mit Tiefe. Die Streifen bringen Bewegung ins Bild, ohne dominant zu wirken. Besonders schön wird es, wenn du mehrere Farbschichten übereinander aufbaust und die Wellpappe zwischendurch immer wieder als Strukturgeber einsetzt. So wird aus einem simplen Stück Verpackung ein echtes Lieblingswerkzeug.

Wenn du tiefer in die Welt des Gelli Prints eintauchen möchtest, findest du 👉 hier weitere Gelli-Print-Beiträge und 👉 meinen Gelli-Print-Kurs zum Kennenlernen

Extra-Tipp: Wellpappe hochkant – dein DIY-Stempel mit Struktur

Wenn du mehrere Streifen Wellpappe hochkant nebeneinander aufklebst, entsteht eine ganz neue Druckfläche. Die Wellen zeigen nach oben und bilden eine erhabene Struktur – perfekt für deinen eigenen Wellpappen-Stempel.

Aber jetzt wird es noch spannender. Du kannst die Streifen nicht nur gerade zusammenkleben, sondern auch biegen. Wellpappe ist flexibel genug, um daraus Formen zu gestalten:

  • Dreiecke
  • Quadrate
  • Kreise
  • freie organische Linien

Einfach die Streifen vorsichtig in Form bringen und optional auf eine stabile Unterlage kleben. Schon entsteht ein individueller Stempel für deinen Wellpappen-Druck oder für die Gelli Platte. Gerade Kreise wirken auf einmal ganz weich durch die Wellenstruktur. Dreiecke bekommen eine spannende textile Anmutung. Und wenn du mehrere Formen kombinierst, entstehen fast grafische Musterflächen. Und genau das macht Drucken mit Wellpappe so lebendig. Vielleicht entsteht daraus dein eigenes Musterpapier für Karten, Geschenkpapier oder Collage-Hintergründe.

Wellpappe hochkant – dein DIY-Stempel mit Struktur

Mehr als nur Drucken mit Wellpappe

Während ich diesen Beitrag schreibe, merke ich, wie sehr mich genau solche Projekte berühren. Ein Stück Karton. Ein bisschen Farbe. Und plötzlich entsteht etwas Eigenes.

Vielleicht ist es genau das, was ich in Zukunft noch stärker leben möchte: unkomplizierter Druck-Spaß mit Papier, Naturmaterialien und Dingen, die sonst im Müll landen würden.

Nachhaltig. Experimentell. Und ohne Druck im Kopf.

Drucken mit Wellpappe ist dafür ein wunderbarer Anfang. Es zeigt, dass Kreativität nicht teuer sein muss. Nicht perfekt sein muss. Und schon gar nicht kompliziert.

Vielleicht ist das auch für dich eine Einladung?! Nicht alles muss geplant sein. Manchmal reicht ein Stück Verpackung – und die Bereitschaft, daraus etwas Neues entstehen zu lassen.

Schrift drucken mit Wellpappe – ein Wort mit Bedeutung

Bei meinem ersten Experiment habe ich mit Naturformen gearbeitet. Diesmal wollte ich wissen: Funktioniert das auch mit Schrift?
Also habe ich das Wort „Mut“ in einer zusammenhängenden Schreibschrift angelegt, die Strichstärke bewusst verbreitert und die Buchstaben aus der oberen Schicht der Wellpappe herausgeschnitten. Die freigelegte Rillenstruktur bildet nun die Schrift. Der Hintergrund bleibt ruhig. Beim Drucken entsteht ein spannender Kontrast zwischen glatter Fläche und lebendiger Linienstruktur.

Schrift drucken mit Wellpappe – subtraktiv geschnittener Schriftzug „Mut“ als Reliefdruck

Ganz wichtig: Wie möchtest du dein Wort drucken?

Bevor du dein Wort in die Wellpappe schneidest, musst du eine Entscheidung treffen. Und die ist wirklich wichtig. Wie möchtest du später drucken? Denn je nach Technik verändert sich die Leserichtung deines Wortes. Und keine Sorge – es ist eigentlich ganz logisch.

Variante 1: Direktdruck – Du druckst direkt mit der Wellpappe als Druckplatte

Hier funktioniert es wie beim klassischen Stempel oder beim Kartoffeldruck. Alles, was du schneidest, wird beim Drucken gespiegelt.

Das heißt: Wenn dein Wort später richtig lesbar sein soll, musst du es seitenverkehrt in die Wellpappe schneiden. Also: „Mut“ wird gespiegelt angelegt und dann geschnitten. Beim Abdruck dreht es sich automatisch wieder richtig.

Merksatz: Direktdruck = vorher spiegeln.

Variante 2: Gelli Print – Du arbeitest mit der Gelli Platte

Hier ist es anders. Wenn du deine Wellpappe in die Gelli Platte drückst oder mit ihr Struktur aufbaust und danach den Druck abziehst, entsteht kein klassischer Spiegel-Effekt wie beim Stempel. Das bedeutet: Du kannst dein Wort seitenrichtig schneiden. Also ganz normal schreiben, schneiden, drucken – fertig.

Merksatz: Gelli Print = normal schneiden.

Bevor du losschneidest, schau dir kurz die folgende Übersicht an. Sie erspart dir im Zweifel einen zweiten Versuch – und ein bisschen Schneidearbeit 😉

Wellpappe Druck – Schrift spiegeln oder nicht

Diese Grafik wurde mithilfe von KI erstellt.

Wellpappe pur – nur die Linien drucken

Du kannst bei der Wellpappe aber auch noch einen Schritt weitergehen. Statt nur einzelne Bereiche freizulegen, entferne einfach die komplette obere Schicht. Übrig bleibt nur die typische Wellenstruktur. Und genau diese Linien kannst du wunderbar zum Drucken verwenden. Auf der Gelli Platte funktioniert das besonders gut. Rolle deine Farbe aus, lege die freigelegte Wellpappe hinein oder ziehe sie leicht darüber – und schon entstehen lineare Muster mit Tiefe. Die Linien wirken ruhig und grafisch. Gleichzeitig bringen sie Bewegung ins Bild. Je nachdem, wie du die Pappe drehst oder kombinierst, entstehen ganz unterschiedliche Effekte.

Wellpappe-Linien flächig gedruckt auf Gelli Plate

Drucken mit Wellpappe ist mehr als nur eine Technik. Es ist eine Erinnerung daran, dass Kreativität einfach sein darf.

Ein Stück Verpackung.
Ein Wort wie „Mut“.
Ein bisschen Farbe.
Mehr braucht es manchmal nicht.

Du musst nichts perfekt planen. Du darfst ausprobieren. Schneiden. Drucken. Staunen. Und vielleicht merkst du dabei, wie ruhig dein Kopf wird und wie gut es tut, mit den eigenen Händen etwas entstehen zu lassen. Genau aus solchen Momenten wächst für mich gerade etwas Größeres: unkomplizierter Druck-Spaß mit Papier, Natur und nachhaltigen Materialien. Vielleicht ist das hier erst der Anfang.

Probier es gerne mal aus. 💛

Alles Liebe ♡ HAPPY PRINTING

Katja Haas PapierLiebe Unterschrift

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