Moderne Kalligrafie mit der Spitzfeder

Alte Liebe rostet nicht: Warum mich die Kalligrafie bis heute begeistert

Wenn mich heute jemand fragt, wie ich eigentlich zum Handlettering gekommen bin, lautet die Antwort: über einen kleinen Umweg. Denn eigentlich war da zuerst die Kalligrafie.

Und weißt du was? Während ich diese Zeilen schreibe, frage ich mich gerade selbst, warum ich dir diese Geschichte nicht schon längst erzählt habe. Vielleicht, weil mir erst jetzt bewusst wird, wie sich all die einzelnen Puzzleteile im Laufe der Jahre zu dem zusammengefügt haben, was heute PapierLiebe ist.

Aber fangen wir mal ganz von vorne an 😉

Was ist Kalligrafie eigentlich?

Das Wort Kalligrafie stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt so viel wie „die Kunst des schönen Schreibens“.

Im Gegensatz zum Handlettering werden die Buchstaben dabei nicht gezeichnet, sondern mit einer Feder geschrieben. Je nach Feder, Schreibwinkel und Druck entstehen ganz unterschiedliche Schriftbilder. Manche wirken elegant und filigran, andere kraftvoll oder fast schon verspielt. Genau diese Vielfalt macht die Kalligrafie für mich bis heute so faszinierend.

Wie alles begann …

Vor vielen Jahren habe ich Hochzeitseinladungen gestaltet. Ja, damals war das mein „Big Business“ und der Start für PapierLiebe. Dabei sind mir immer wieder wunderschöne handgeschriebene Schriften begegnet und ich habe sie natürlich auch am Computer verwendet. Irgendwann wurde ich aber neugierig: Wie entstehen diese Schriften eigentlich? Kann man so etwas wirklich von Hand schreiben?

Diese Frage hat mich nicht mehr losgelassen. Also zog irgendwann ein Federhalter mit einer Spitzfeder bei mir ein und ich begann zu experimentieren. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Aber eines war ziemlich schnell klar: Diese elegante Art zu schreiben hatte mich erwischt.

Und wie das bei mir meistens so ist: Aus „Ich probier das einmal aus“ wurde ziemlich schnell „Jetzt brauche ich noch diese Feder. Und diese Tinte. Und dieses Papier…“ 😉 Naja, du kennst das vielleicht …

2016 durfte ich im Magazin flair einen kleinen Einblick in meine Leidenschaft für schöne Schriften geben. Rückblickend ist das eine schöne Erinnerung an diese Zeit.

PapierLiebe Magazin Flair zum Thema Handlettering und Kalligrafie

Meine Reise in die Welt der Kalligrafie

Je tiefer ich in die Welt der Kalligrafie eintauchte, desto größer wurde meine Begeisterung. Gleichzeitig merkte ich aber auch, wie unglaublich vielfältig dieses Thema eigentlich ist.

Ein ganz besonderes Erlebnis war ein Workshop bei Gottfried Pottein deutscher Typograf, Kalligraf, Autor und Hochschullehrer. Ich war fasziniert von seinem Können und den unzähligen Möglichkeiten, die mit Kalligrafie entstehen können. Gleichzeitig war ich aber auch ziemlich überfordert. Da wurden Buchstaben nicht einfach geschrieben, sondern zu richtigen Kunstwerken komponiert. Nach zwei Kurstagen schwirrte mir ordentlich der Kopf. Im positiven Sinn. 😉

Genau dort wurde mir bewusst, dass Kalligrafie so viel mehr ist als die Spitzfeder. Es gibt unzählige Federn, Schriftstile und Herangehensweisen. Manche ganz klassisch, andere fast schon experimentell.

Kalligrafie-Alphabet

Und manchmal entstehen bei solchen Kursen nicht nur neue Ideen, sondern auch neue Begegnungen. Dort habe ich unter anderem auch Claudia Dzengel kennengelernt, eine unglaublich talentierte deutsche Kalligrafin und Künstlerin, die schon seit vielen Jahren in Wien lebt. Einige Zeit später durfte ich auch einen Workshop bei ihr besuchen und wieder eine ganz andere Seite der Kalligrafie entdecken.

Dieses Kalligrafie-Alphabet war übrigens mein finales Werk aus dem Kalligrafie-Workshop mit Claudia Dzengel.

Den richtigen Funken ausgelöst hat dann aber ein Kalligrafie-Kurs bei Jeannette Mokosch. Sie ist nicht nur eine wunderbare Kalligrafin, sondern auch ein ganz besonderer Mensch. Nach diesem Kurs war ich endgültig angefixt. Ich habe eine Zeit lang fast ausschließlich mit der Spitzfeder geschrieben, geübt, experimentiert und jede freie Minute genutzt, um meine Buchstabenformen zu verfeinern.

Und heute? Heute darf ich diese Begeisterung selbst weitergeben.

Wenn ich Kalligrafie-Workshops gebe, denke ich manchmal an meinen ersten Federhalter zurück. Damals hätte ich nie gedacht, dass ich viele Jahre später selbst Menschen für dieses wunderschöne Handwerk begeistern darf.

Und es macht mir riesengroßen Spaß zu sehen, wie aus Neugier Begeisterung wird, wie die ersten Buchstaben entstehen und wie stolz die Teilnehmerinnen auf ihre Ergebnisse sind. Das erinnert mich jedes Mal daran, warum ich Kalligrafie so liebe.

The Circle – Kreativ-Treffen in Graz

Ehrlich gesagt kam mir gerade etwas in den Sinn, als ich meinen Weg noch einmal Revue passieren ließ. Denn eigentlich begann alles schon viel früher. Noch bevor ich Hochzeitseinladungen gestaltete oder die Spitzfeder für mich entdeckte, besuchte ich einen Volkshochschulkurs zum Thema Kalligrafie und Papierschöpfen.

Den Volkshochschulkurs besuchte ich übrigens bei Eva Maria Kunzenmann vom Kalligrafieraum in Hall in Tirol. Dass ihr Name viele Jahre später gemeinsam mit meinem im Flair-Artikel auftauchen würde, hätte ich damals natürlich nie gedacht. Auch das gehört zu diesen kleinen Zufällen, über die ich heute schmunzeln muss.

Schon damals fand ich Kalligrafie und Papierschöpfen unglaublich spannend. Dass genau diese beiden Themen viele Jahre später unter dem Namen PapierLiebe wieder zusammenfinden würden, hätte ich mir allerdings nie gedacht. 😄

Kalligrafie – Das Geheimnis des Erfolgs ist anzufangen

Inzwischen haben Handlettering, Papierschöpfen, Gelli Print und viele andere Techniken ihren festen Platz in der PapierLiebe gefunden. Trotzdem greife ich immer wieder gerne zur Spitzfeder zurück. Sie erinnert mich daran, wo alles begonnen hat. Und genau deshalb stimmt der Titel dieses Blogbeitrags wohl mehr denn je: Alte Liebe rostet nicht. ❤️

Vielleicht hat meine Geschichte ja auch bei dir die Neugier auf Feder und Tinte geweckt. Dann wünsche ich dir ganz viel Freude beim Entdecken dieser wunderbaren Welt.

Alles Liebe ♡

Katja Haas PapierLiebe Unterschrift

Wenn du dich fürs Papierschöpfen interessierst, findest du übrigens einen ausführlichen Beitrag zum Thema Papierschöpfen hier auf meinem Blog. Vielleicht erkennst du dabei ja auch, warum Papier für mich so viel mehr ist als nur ein Untergrund zum Schreiben. ❤️

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