Ich dachte ziemlich lange, ich hätte ein Positionierungsproblem.
Wenn du selbstständig bist, hörst du immer wieder, dass du eine klare Nische brauchst. Du solltest für eine Sache stehen, damit die Menschen sofort wissen, wofür sie zu dir kommen. Bei mir war das nur irgendwie immer schon schwierig und nicht auf einen Nenner zu bringen.
Handlettering war viele Jahre ein großer Teil meiner Arbeit. Dann war da aber auch meine Liebe zur Druckkunst. Irgendwann kam Gelli Print dazu. Collagen sowieso. Papierschöpfen und Buchbinden finde ich großartig und wenn irgendwo eine interessante Drucktechnik auftaucht, kannst du ziemlich sicher sein, dass ich zumindest wissen möchte, wie sie funktioniert. Das berühmte Fass ohne Boden! 😉
Und eigentlich beginnt das Ganze noch viel früher. Ich bin Grafik Designerin, gestalte seit vielen Jahren Print und Digitale Medien und liebe auch dort aus unterschiedlichen Dingen etwas Eigenes entstehen zu lassen.
Rückblickend zieht sich dieses „Ich mag halt mehrere Sachen“ also schon ziemlich lange durch mein Berufsleben. Nur habe ich das lange nicht als besondere Stärke gesehen. Vor allem bei PapierLiebe hatte ich irgendwann das Gefühl, ich müsste mich entscheiden. Handlettering oder Druckkunst? Was davon soll nach außen sichtbar sein? Wofür möchte ich eigentlich stehen?
Vielleicht war genau diese Frage das Problem. Denn egal, wie oft ich versucht habe, mich gedanklich in eine dieser Schubladen zu setzen, irgendwann wollte ich sowieso wieder raus. 😉 Denn wenn ich eines über meine eigene Kreativität gelernt habe, dann das:
Eine Technik führt bei mir ziemlich zuverlässig zur nächsten.
Beim Handlettering interessiert mich irgendwann das Papier darunter. Beim Papierschöpfen denke ich darüber nach, wie ich das fertige Papier bedrucken könnte. Beim Drucken entstehen Papierreste, aus denen ich später vielleicht eine Collage mache. Und plötzlich liegt wieder irgendein neues Projekt auf meinem Schreibtisch.
Irgendwann bin ich über den Begriff Multikreativität gestolpert und dachte mir: Ja genau. Das bin ich.
Multikreativität: Endlich hatte das Kind einen Namen
Als ich diesen Begriff zum ersten Mal bewusst für mich verwendet habe, hat plötzlich vieles zusammengepasst. Für mich bedeutet Multikreativität ganz einfach: Ich interessiere mich für unterschiedliche Arten des kreativen Gestaltens und möchte mich dabei nicht auf eine einzige festlegen.
Bei mir haben diese unterschiedlichen Interessen allerdings einen ziemlich deutlichen gemeinsamen Nenner: Papier.
Ich gestalte es, bedrucke es, beschreibe es, schöpfe es selbst und verarbeite es weiter. Manchmal landet Farbe darauf, manchmal Tinte und gelegentlich vermutlich auch irgendetwas, das dort ursprünglich gar nicht landen sollte. Gehört dazu. 😉 Erst dadurch habe ich verstanden, dass meine vielen Interessen gar nicht so weit auseinanderliegen, wie ich lange dachte. Sie hängen miteinander zusammen.
Vielleicht kennst du das von dir selbst
Vielleicht hast du auch nicht die eine kreative Leidenschaft.
Du letterst gerne, hast aber genauso Lust auf Aquarell. Dann siehst du irgendwo einen Linoldruck und denkst dir: Das würde ich auch gerne einmal ausprobieren. Und kaum hast du die Materialien dafür zusammengesucht, stolperst du über die nächste Technik. Das kann sich manchmal ziemlich sprunghaft anfühlen. Vor allem dann, wenn du glaubst, du solltest bei einer Sache bleiben und darin endlich einmal „richtig gut“ werden.
Aber wer sagt eigentlich, dass Kreativität so funktionieren muss?
Du kannst eine Technik jahrelang lieben und trotzdem neugierig auf eine andere sein. Du kannst Dinge miteinander kombinieren, wieder weglegen und Monate später erneut hervorholen. Genau daraus entstehen oft Ideen, auf die du innerhalb einer einzigen Technik vielleicht gar nicht gekommen wärst.
Bei mir wird es deshalb vermutlich nie nur eine Technik geben
Und inzwischen bin ich darüber ziemlich froh. PapierLiebe darf genauso vielfältig sein wie meine eigene Kreativität. Deshalb findest du bei mir Handlettering neben Gelli Print, Papierkunst neben verschiedenen Drucktechniken und dazwischen immer wieder Dinge, bei denen ich heute selbst noch nicht weiß, wohin sie mich führen werden.
Ich werde mich also auch weiterhin kreativ nicht entscheiden. Das klappt ohnehin seit Jahren nicht besonders gut. Warum sollte ich ausgerechnet jetzt damit anfangen? 😉
Alles Liebe ♡

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