Ich bin perfektionistisch. Leider. 😉
Wenn neun Dinge wunderbar funktionieren und beim zehnten irgendwo ein Strich zwei Millimeter zu weit nach links gerutscht ist, kannst du dreimal raten, wohin ich schaue.
Natürlich auf den Strich.
Das ist beim Grafik-Design manchmal durchaus praktisch. Beim Kreativsein kann es allerdings ziemlich mühsam werden.
Perfektionismus und Kreativität sind manchmal eine ziemlich ungünstige Kombination
Bei mir zeigt sich das in den unterschiedlichsten Situationen. Eine Idee liegt ewig herum, weil ich noch nicht genau weiß, wie ich sie umsetzen möchte. Ein Druck ist eigentlich richtig schön, aber was sehe ich zuerst? Natürlich die Stelle, an der etwas nicht so geworden ist wie geplant. Und wenn ich eine neue Technik zum ersten Mal ausprobiere, erwarte ich insgeheim trotzdem ein Ergebnis, als hätte ich sie schon zwanzigmal gemacht. Völlig logisch. 😉
Und manchmal ist das Bild im Kopf einfach so konkret, dass das echte Ergebnis kaum eine Chance dagegen hat.
Meine Linien sind einfach nicht gerade
Beim Handlettering hat mich eine Sache jahrelang wahnsinnig gemacht: Ich kann keine geraden Linien zeichnen. Wirklich nicht. Gib mir Lineal und Bleistift, dann bekomme ich das irgendwie hin. Aber freihändig? Keine Chance.
Und natürlich wollte ich gerade beim Handlettering, dass meine Buchstaben schön und gleichmäßig aussehen. Möglichst so, wie ich sie vorher in meinem Kopf gesehen hatte. Nur hatten meine Buchstaben offenbar andere Pläne. 😉
Meine Linien waren nie ganz gerade, Buchstaben standen ein bisschen schief und manches sah einfach nicht so aus, als wäre es frisch aus dem Drucker gekommen. Irgendwann habe ich aufgehört, dagegen anzukämpfen. Heute nenne ich das liebevoll „wonky“.
Und inzwischen mag ich genau das daran. Meine Buchstaben sehen von Hand gemacht aus, weil sie von Hand gemacht sind. Sie müssen nicht aussehen wie gedruckt. Dafür gibt es schließlich Schriftarten.

Und genau das möchte ich auch in meinen Handlettering-Workshops und Kursen immer wieder mitgeben: Deine Buchstaben müssen nicht perfekt aussehen. Sie dürfen nach dir aussehen
Heute schaue ich viel entspannter auf meine „wonky“ Buchstaben. Bei einem neuen kreativen Projekt sitzt mein Perfektionismus trotzdem ziemlich schnell wieder neben mir und flüstert: „Hm. Die Stelle da …“
Manchmal höre ich auf ihn. Und manchmal schaffe ich es inzwischen auch zu sagen: Passt. Ich lass das jetzt so.
Perfektionismus darf beim Kreativsein Pause machen
Vielleicht kennst du das auch. Du vergleichst dein Ergebnis mit dem Bild in deinem Kopf oder mit etwas, das du irgendwo gesehen hast, und plötzlich fühlt sich das, was vor dir liegt, nicht mehr gut genug an.
Dabei sind es manchmal ausgerechnet die schiefen Linien und die kleinen Unregelmäßigkeiten, die zeigen: Das hier ist von Hand gemacht. Und bei meinen Buchstaben habe ich inzwischen gelernt, genau das zu mögen.
Mein Perfektionismus wird vermutlich nicht verschwinden. Aber er muss auch nicht bei jedem kreativen Projekt mit am Tisch sitzen.
Manchmal darf er einfach Pause machen. 😉
Alles Liebe ♡

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