Zine selber machen – eine Faltanleitung Schritt für Schritt

Zine selber machen: 8 Seiten aus einem Blatt Papier falten

Eigentlich ist es ja schon ziemlich faszinierend, was man aus einem einzigen Blatt Papier machen kann. Ein paar Mal falten, einmal einschneiden und plötzlich hält man ein kleines Büchlein mit acht Seiten in der Hand. Ohne Kleber, ohne Bindung und ohne irgendein Spezialwerkzeug, das danach wieder jahrelang in einer Schublade wohnt. 😉 Ja, ich spreche da aus Erfahrung.

Ich war übrigens bis vor Kurzem fest davon überzeugt, dass ich mein erstes Zine schon vor vielen Jahren gemacht habe. Das kleine Büchlein existiert sogar noch und hat einen Ehrenplatz in meinem Projekte-Schaukasten.

Tja. Und dann habe ich es für diesen Blogartikel wieder einmal genauer angeschaut, auseinander genommen und festgestellt: Das ist gar kein 8-Seiten-Zine. 😂 Offenbar hatte ich das über die Jahre hinweg ein bisserl anders abgespeichert. Somit habe ich einen Grund mehr, mich jetzt endlich einmal genauer mit dieser einfachen Faltung zu beschäftigen. Denn die finde ich ziemlich genial: Du brauchst dafür tatsächlich nur ein Blatt Papier, eine Schere und ein paar Minuten Zeit.

Aus einem Blatt Papier werden acht kleine Seiten voller Möglichkeiten.

Ich zeige dir Schritt für Schritt, wie du dein eigenes Zine mit acht Seiten faltest. Und weil ich natürlich nicht einfach nur ein weißes Blatt Papier falten konnte, ist dabei auch gleich ein neues Dahlien-Zine entstanden. 😉

Was ist ein Zine eigentlich?

Ein Zine ist im Grunde ein kleines, selbst gemachtes Heft oder Mini-Magazin, das du nach Lust und Laune gestalten kannst. Der Begriff stammt ursprünglich von „Magazine“. Zines wurden vor allem dazu genutzt, eigene Texte, Zeichnungen, Fotos oder Ideen unabhängig zu veröffentlichen.

Inzwischen gibt es Zines in allen möglichen Varianten. Gezeichnet, geschrieben, gedruckt, collagiert oder von allem ein bisserl. Und genau das mag ich daran so gerne: Du brauchst weder eine perfekte Gestaltung noch einen ausgeklügelten Plan, bevor du anfängst. Besonders einfach ist das klassische 8-Seiten-Zine, das ich dir hier zeige.

Was du für dein 8-Seiten-Zine brauchst

Eigentlich brauchst du für dein Zine nichts, was du nicht sowieso schon zu Hause hast:

  • ein Blatt Papier im Format A4 oder A3 (gestaltet oder blanko)
  • eine Schere oder einen Cutter
  • Stifte, Farben oder anderes Material zum Gestalten

Wenn du die Faltung zum ersten Mal ausprobierst, reicht ganz normales Kopierpapier vollkommen aus. Damit kannst du in Ruhe testen, wo gefaltet und geschnitten wird und wie aus dem flachen Blatt am Ende tatsächlich ein kleines Heft entsteht.

Möchtest du dein Zine anschließend bemalen, bedrucken oder mit Collagen gestalten, kannst du natürlich auch ein anderes Papier verwenden. Hier würde ich allerdings kein allzu dickes Papier nehmen, weil sich das Zine sonst nicht mehr so schön zusammenfalten lässt.

Ich verwende dafür am liebsten etwas dickeres Druckpapier (90 oder 100g/m²), je nachdem, was ich damit vorhabe. Für Aquarell oder sehr nasse Techniken darf das Papier natürlich ein bisserl mehr aushalten. Beim Gelli Print wiederum funktioniert auch leichteres Papier wunderbar.

Zine falten: Schritt für Schritt

Schritt 1: Das Papier längs und quer falten

Lege dein Blatt im Querformat vor dich und falte es einmal der Länge nach in der Mitte. Streiche die Falzkante anschließend gut glatt. Verwende dafür gerne ein Falzbein oder einen Messerrücken, falls du kein Falzbein zur Hand hast. Aber stabile Fingernägel tun’s natürlich auch. 😉

Öffne das Papier anschließend wieder.

Falte das Blatt nun in die andere Richtung mittig zusammen und öffne es wieder. Damit hast du bereits die ersten Faltlinien, an denen du dich bei den nächsten Schritten orientieren kannst.

8-Seiten-Zine selber machen – Faltanleitung

Schritt 2: Acht gleich große Felder falten

Lege das Blatt wieder aufgeklappt quer vor dich und falte zuerst die linke Außenkante bis zur mittleren Faltlinie. Anschließend machst du dasselbe mit der rechten Außenkante.

Öffne das Papier danach wieder vollständig. Vor dir sollten jetzt acht gleich große Rechtecke liegen: zwei Reihen mit jeweils vier Feldern

8-Seiten-Zine selber machen – Faltanleitung

Schritt 3: Den Schlitz für dein Zine einschneiden

Falte das Papier wieder einmal quer in der Mitte zusammen. Nun schneidest du entlang der mittleren Faltlinie von der geschlossenen Kante bis zur nächsten Querfaltung.

Wenn du das Blatt anschließend wieder öffnest, befindet sich genau in der Mitte ein Schlitz über zwei Felder.

8-Seiten-Zine selber machen – Faltanleitung
8-Seiten-Zine selber machen – Faltanleitung

Schritt 4: Jetzt wird aus dem Blatt langsam ein Heft

Falte dein Papier wieder der Länge nach zusammen. Nimm es an beiden äußeren Enden und schiebe diese vorsichtig aufeinander zu. Durch den eingeschnittenen Schlitz öffnen sich die mittleren Seiten rautenförmig.

8-Seiten-Zine selber machen – Faltanleitung
8-Seiten-Zine selber machen – Faltanleitung

Schritt 5: Zum Zine zusammenfalten

Jetzt musst du die entstandenen Seiten nur noch in eine Richtung zusammenlegen. Falte sie nacheinander aufeinander, bis du ein kleines Heft vor dir liegen hast.

Fertig ist dein 8-Seiten-Zine aus einem einzigen Blatt Papier.

8-Seiten-Zine selber machen – Faltanleitung
Zine falten aus einem A4-Blatt

Du möchtest die Zine-Faltanleitung lieber neben dir liegen haben?

→ Hier kannst du dir meine Zine-Faltanleitung im Format A4 als Übersicht herunterladen, ggf. ausdrucken und für später aufheben.

A4 oder A3: Welche Größe eignet sich für dein Zine?

Für dein Zine kannst du sowohl ein A4 als auch ein A3 Blatt verwenden. Die Faltung bleibt genau gleich, nur das fertige Heft wird natürlich unterschiedlich groß.

Aus einem A4 Blatt entsteht ein kleines Zine ungefähr im Format A7. Wenn dir das ein bisserl zu winzig ist oder du auf den einzelnen Seiten mehr Platz zum Gestalten haben möchtest, nimm einfach ein A3 Blatt. Daraus wird am Ende ein Zine ungefähr im Format A6.

Welche Größe besser passt, hängt also vor allem davon ab, was du damit vorhast. Für kleine Zeichnungen, kurze Texte oder ein Mini Art Journal finde ich A4 ziemlich charmant. Möchtest du mit Collagen, Stempeln oder gedruckten Motiven arbeiten, ist A3 oft angenehmer, weil du auf den einzelnen Seiten einfach mehr Platz hast.

Erst gestalten oder erst falten?

Du kannst dein Zine zuerst falten und anschließend Seite für Seite gestalten. Das ist wahrscheinlich die einfachste Variante, wenn du gerade dein erstes Zine machst.

Oder du gestaltest zuerst das komplette Blatt und faltest es erst danach. Dabei kannst du zum Beispiel drucken, malen oder verschiedene Techniken miteinander kombinieren. Ich merke gerade, dass mir genau diese Variante am meisten Spaß macht: Erst gestalte ich ein großes Blatt mit Farben, Drucken und Strukturen und anschließend lasse ich mich beim Falten davon überraschen, welche kleinen Bildausschnitte daraus entstehen. Viel weiterbearbeiten möchte ich die einzelnen Seiten danach oft gar nicht mehr. Ein bisschen Schrift vielleicht, aber meistens darf der Druck einfach für sich stehen.

Und genau das finde ich so spannend: Ich weiß vorher nie so genau, was nach dem Falten daraus wird. Plötzlich tauchen auf den einzelnen Seiten Ausschnitte und Kombinationen auf, die ich so niemals geplant hätte. Und selbst wenn mir das gestaltete Blatt vorher vielleicht gar nicht so gut gefallen hat, sieht es als gefaltetes Zine oft plötzlich richtig cool aus. Erst dann schaue ich mir Seite für Seite an und entscheide, wo ich noch etwas ergänzen möchte.

Diese Variante eignet sich übrigens auch wunderbar für Blätter, mit denen du eigentlich gar nicht so richtig zufrieden bist. Vielleicht ist ein Druck nicht so geworden wie gedacht, ein gemalter Hintergrund gefällt dir nicht oder beim Experimentieren ist einfach ein bisserl zu viel passiert. Ja, das kommt vor! 😅 Bevor das Blatt aber in einer Schublade verschwindet oder im Papierkorb landet, falte einfach einmal ein Zine daraus und schau, was passiert.

Durch das Falten siehst du plötzlich nur noch einzelne Ausschnitte. Und manchmal schaut genau das, was auf dem großen Blatt überhaupt nicht funktioniert hat, auf einer kleinen Zine-Seite plötzlich richtig gut aus. Ich schwöre!

Schau dir mal dieses Beispiel an: Auf diesem mit Gelli Print gestalteten Blatt ist eigentlich viel zu viel passiert. Es ist bunt, wild und ziemlich unruhig. 😉 Aber daraus ist dieses kleine Mini-Zine entstanden. Schon spannend, wie anders die einzelnen Ausschnitte nach dem Falten wirken, oder?

Zine selber malchen aus einem Blatt Papier A4 – vorher/nachher

Sobald dein Mini-Zine gefaltet ist, schau dir erst einmal die einzelnen Seiten genauer an. Oft braucht es nämlich gar nicht mehr viel. Vielleicht möchtest du hier und da noch ein Wort, einen kleinen Schriftzug oder ein paar handgeschriebene Zeilen ergänzen. Und vielleicht lässt du manche Seiten auch einfach genau so, wie sie nach dem Falten entstanden sind.

Wenn du hingegen schon vorher genau planst, was später auf welcher Seite stehen soll, hilft dir die Seitenübersicht weiter unten. So landen Cover, Texte und Motive nach dem Falten auch tatsächlich dort, wo du sie haben möchtest.

Welche Seite ist nach dem Falten wo?

Damit du nicht jedes Mal herumprobieren musst, habe ich dir eine kleine Übersicht erstellt. Darauf siehst du, welches Feld später welche Seite deines Zines wird und in welche Richtung du Texte, Zeichnungen oder andere Motive gestalten musst.

Tipp: Falte dir für den Anfang ein Zine aus ganz normalem Kopierpapier und nummeriere die Seiten von 1 bis 8 durch. Wenn du es anschließend wieder auffaltest, siehst du sofort, wo welche Seite liegt und welche davon gedreht werden muss. Dieses kleine Muster-Zine kannst du dir einfach für später aufheben und immer zur Hand nehmen, wenn du es brauchst.

Oder du schaust einfach hier auf meinem Blog nach. 😉 In der Grafik siehst du auf einen Blick, wie die einzelnen Seiten auf dem aufgefalteten Blatt angeordnet sein müssen.

Zine mit 8 Seiten falten – Übersicht

Gut zu wissen: Vielleicht findest du bei anderen Zine-Anleitungen eine etwas andere Seitenanordnung. Das liegt daran, dass sich das Zine nach dem Einschneiden auf unterschiedliche Weise zusammenlegen lässt. Für meine Anleitung verwende ich die Anordnung, die du hier in der Grafik siehst.

Ideen für dein eigenes Zine

Und was kommt jetzt auf die acht Seiten? Im Grunde alles, worauf du gerade Lust hast. Du könntest ein kleines Garten-Zine mit gedruckten Pflanzen gestalten, ein Farb-Zine mit deinen Lieblingsfarbtönen oder ein Mini-Art-Journal. Auch Urlaubserinnerungen lassen sich wunderbar darin sammeln. Ein paar Fotos, kleine Fundstücke und handgeschriebene Notizen dazu, fertig ist dein ganz persönliches Mini-Heft.

Mein Dahlien -Zine

Für diesen Blogartikel habe ich natürlich auch selbst eines gestaltet. Und nachdem gerade Dahlienzeit ist, musste ich nicht besonders lange überlegen, was darauf landen wird. 😉

Für mein Dahlien-Zine habe ich ein A4-Blatt mit Pflanzen und Blüten aus meinem Garten bedruckt und anschließend zu einem Zine gefaltet.

Zine falten aus Gelli Prints
Zine aus Gelli Print gefaltet

Wenn du wissen möchtest, wie mein Dahlien-Zine genau entstanden ist, zeige ich dir die komplette Gestaltung Schritt für Schritt in meinem → Onlinekurs Print a Garden. Dort kannst du mir beim Drucken und Falten über die Schulter schauen.

Und jetzt? Papier schnappen und ausprobieren!

Ich mag an dieser Zine-Faltung vor allem, dass man wirklich nicht viel braucht. Ein Blatt Papier reicht fürs Erste vollkommen. Und gleichzeitig kannst du dich beim Gestalten ziemlich austoben. Gerade bei einem Mixed-Media-Zine kannst du wunderbar unterschiedliche Techniken miteinander kombinieren.

Und wenn du danach plötzlich fünf kleine Hefte vor dir liegen hast, weil du unbedingt noch ausprobieren musstest, wie das Ganze mit Aquarellpapier, Gelli Prints und dem schönen Papier aus der untersten Schublade aussieht: Ich übernehme dafür keine Verantwortung. 😉

Ich glaube, genau dieser Überraschungsmoment macht für mich den Reiz daran aus: Ein großes gestaltetes Blatt wird gefaltet und plötzlich entstehen daraus ganz unterschiedliche kleine Seiten.

Vielleicht liegt bei dir ja auch irgendwo ein Blatt Papier herum, bei dem du bisher nicht so recht gewusst hast, was du damit anfangen sollst. Dann falte einfach mal ein Zine daraus. Im schlimmsten Fall hast du danach ein kleines Heft. Damit kann ich persönlich ziemlich gut leben …

Alles Liebe ♡

Katja Haas PapierLiebe Unterschrift

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