Sind Kreativ-Workshops Luxus?

Sind Kreativ-Workshops Luxus? Wie lernen wird heute: online oder offline?

Ich gebe wirklich gerne Workshops.

Ich mag es, wenn an einem Tisch Menschen zusammensitzen, die sich vorher vielleicht noch nie gesehen haben und ein paar Stunden später gegenseitig ihre Ergebnisse zeigen und quasi als Kreativ-Freunde nach Hause gehen. Wenn überall Papier, Farben und Stifte herumliegen. Wenn jemand plötzlich sagt: „Oh, schau mal, das ist jetzt aber cool geworden!“ Und ich mag es natürlich auch, mein Wissen weiterzugeben und zu sehen, was jede*r Einzelne daraus macht.

Trotzdem gibt es bei mir aktuell kaum klassische Kreativ-Workshops. Nicht, weil ich keine Lust mehr darauf habe. Sondern weil ich in den vergangenen Jahren immer stärker gemerkt habe, dass es schwieriger geworden ist, meine Workshops zu füllen. Und irgendwann musste ich mir eingestehen: So, wie ich es bisher gemacht habe, funktioniert es für mich gerade nicht mehr.

Ein Kreativ-Workshop beginnt lange vor dem eigentlichen Workshop

Als Teilnehmer*in siehst du natürlich in erster Linie den Workshop selbst. Du buchst zum Beispiel vier Stunden Handlettering oder Gelli Print, kommst zum vereinbarten Termin und wir verbringen gemeinsam einen kreativen Nachmittag.

Für mich beginnt dieser Nachmittag allerdings schon einige Wochen vorher. Ein Thema muss geplant und ausgearbeitet werden, ein Termin und eine Location müssen gefunden werden. Ich überlege mir den Ablauf, organisiere und bereite Material vor, aktualisiere meine Website, erstelle die Buchungsmöglichkeit, mache Fotos, schreibe Texte und Newsletter und erzähle auf meinen Kanälen davon.

Und dann heißt es erst einmal: warten.
Kommen genügend Anmeldungen zusammen?

Früher konnte ich diese Frage meistens recht entspannt beantworten. In den letzten Jahren ist das schwieriger geworden.

Natürlich könnte ich einen Workshop auch mit drei Teilnehmerinnen durchführen – habe ich auch schon gemacht. 😅 Nur muss sich das Ganze am Ende für mich als Selbstständige ebenfalls rechnen. Denn die vier Stunden, die wir gemeinsam am Tisch sitzen, sind eben nur ein Teil meiner tatsächlichen Arbeitszeit.

Und wenn zu wenige buchen?
Dann wird es besonders mühsam. Denn die ganze Arbeit davor ist bereits passiert.

Wenn ich einen Workshop wegen zu weniger Anmeldungen absagen muss, kommen sogar noch ein paar zusätzliche Dinge auf meine To-do-Liste: Teilnehmerinnen informieren, Buchungen stornieren, Geld zurücküberweisen und je nach Zahlungsanbieter bleiben dabei sogar Gebühren bei mir hängen.

Ich habe dann also Zeit in einen Workshop investiert, der gar nicht stattfindet, und darf fürs Absagen im schlimmsten Fall auch noch bezahlen. Nicht unbedingt das Geschäftsmodell, von dem man als Selbstständige träumt. 😉

Irgendwann war deshalb der Punkt erreicht, an dem ich meine klassischen Workshops erst einmal auf Eis gelegt habe.

Ich erzähle dir das übrigens nicht, weil ich mich darüber beschweren möchte. Es ist einfach etwas, das ich in den letzten Jahren immer stärker beobachtet habe.

Und irgendwann habe ich angefangen, mich zu fragen:

Sind Kreativ-Workshops inzwischen Luxus?

Diese Frage beschäftigt mich tatsächlich – denn natürlich sehe ich auch die andere Seite. Das Leben ist in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden. Lebensmittel, Wohnen, Energie, Urlaub, Freizeit. Wenn am Ende des Monats weniger übrigbleibt, überlegt man sich wahrscheinlich zweimal, ob man 129 oder 149 Euro für einen kreativen Nachmittag ausgibt.

Ein Kreativ-Workshop ist schließlich nichts, was man unbedingt braucht.
Aber ist das wirklich so einfach?

Denn ein paar Stunden nur für sich selbst, raus aus dem Alltag, etwas mit den eigenen Händen machen und vielleicht mit Menschen zusammensitzen, die dieselbe Freude am Kreativsein haben, können unglaublich guttun.

Trotzdem muss man sich so einen Nachmittag leisten können und leisten wollen. Und genau da wird es für mich schwierig. Auf der einen Seite verstehe ich vollkommen, wenn jemand sagt: „149 Euro für einen Workshop sind mir momentan einfach zu viel.“ Auf der anderen Seite kann ich als Selbstständige nicht einfach sagen: „Dann kostet er eben nur noch 79 Euro.“

Auch meine Kosten sind gestiegen. Dazu kommen Material, Location, Vorbereitung und meine Arbeitszeit. Am Ende muss ein Workshop für mich genauso wirtschaftlich funktionieren wie jedes andere Angebot auch.

Und so treffen zwei Seiten aufeinander, die ich beide total nachvollziehen kann.

Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum ich in den letzten Jahren immer mehr über andere Möglichkeiten nachgedacht habe.

Sind Onlinekurse die Lösung?

Onlinekurse haben natürlich einige Vorteile. Sie sind meistens günstiger als ein Workshop vor Ort. Du musst nirgends hinfahren, keinen bestimmten Samstag freihalten und kannst dann kreativ werden, wenn es in deinen Alltag passt. Gerade wenn ohnehin ständig irgendetwas los ist, klingt das ziemlich praktisch. Übrigens nicht nur für dich, sondern auch für mich 😉

Ich selbst habe deshalb schon vor Jahren begonnen, mein Wissen auch in Onlinekursen weiterzugeben. Handlettering, Brush-Lettering, Gelli Print und inzwischen auch mein wachsender Kurs Print a Garden können ganz gemütlich von zuhause aus gemacht werden.

Eigentlich perfekt, oder? Aber inzwischen frage ich mich auch hier: Funktioniert der klassische Selbstlernkurs heute überhaupt noch so wie vor ein paar Jahren?

Das Internet ist voll mit kostenlosen Anleitungen. Auf YouTube findest du Videos zu beinahe jeder Technik, Pinterest liefert Ideen ohne Ende und auf Instagram stolpert man beim schnellen Reinschauen plötzlich über siebzehn Dinge, die man unbedingt ausprobieren möchte.

Und dann kommt natürlich auch noch KI dazu. Braucht es da überhaupt noch einen Onlinekurs? Oder brauchen wir ihn vielleicht gerade deshalb? 🤔 Weil wir eben keine Lust haben, uns aus 27 Videos, fünf Blogartikeln und unzähligen Pins selbst zusammenzusuchen, welches Material wir brauchen und wie wir am besten anfangen?

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht…

Und dann wäre da noch das kleine „Onlinekurs-Problem“ …

Einen Workshop trägst du dir in den Kalender ein. Am Samstag um 14 Uhr bist du dort. Punkt.

Ein Onlinekurs ist geduldiger. Sehr geduldig sogar. 😉 Du kaufst ihn vielleicht voller Motivation, schaust dir die ersten Videos an und dann kommt das Leben dazwischen. Nächste Woche mache ich weiter, oder übernächste. Und irgendwann fällt dir ein: Da war doch noch dieser Onlinekurs … und vielleicht vergisst du irgendwann sogar darauf.

Frag mich bitte nicht, warum ich das weiß… 🫣

Natürlich beschäftigt mich das auch bei meinen eigenen Kursen. Denn natürlich möchte ich nicht einfach Videos verkaufen, die anschließend irgendwo im digitalen Nirgendwo darauf warten, angesehen zu werden. Ich möchte, dass du damit tatsächlich kreativ wirst.

Vielleicht verändern sich deshalb auch Onlinekurse gerade. Vielleicht braucht es kleinere Einheiten, neue Inhalte zwischendurch oder Möglichkeiten, immer wieder einen Grund zum Zurückkommen zu haben.

Bei Print a Garden probiere ich genau das gerade aus. Der Kurs wächst nach und nach weiter, neue Techniken und Videos kommen dazu und ich nehme dich durch unterschiedliche Jahreszeiten mit. Ob das langfristig genau der richtige Weg ist? Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung. Aber ich probiere es aus.

Und vielleicht ist das hier die Frage, die mich hinter all diesen Überlegungen am meisten beschäftigt:

Wie wollen wir heute eigentlich kreativ lernen?

Möchten wir einen Nachmittag freihalten, irgendwo hinfahren und gemeinsam mit anderen kreativ sein? Oder möchten wir lieber zuhause lernen, dann, wenn gerade zwei Stunden Zeit sind? Wollen wir überhaupt noch umfangreiche Onlinekurse? Oder lieber kleinere kreative Häppchen, die sich leichter in unseren Alltag schieben lassen? Und wie viel darf oder kann eine kreative Auszeit heute kosten?

Ich habe darauf gerade keine Antwort.

Ich weiß auch noch nicht, wie meine eigenen Workshops und Onlinekurse in ein paar Jahren aussehen werden. Vielleicht kommen wieder mehr Workshops vor Ort. Vielleicht verändern sich meine Onlinekurse. Wahrscheinlich werde ich noch einiges ausprobieren und manches davon wieder verwerfen.

Wenn du bis hierher gelesen hast: Danke, dass du mich bei meinen Gedanken ein Stück begleitet hast. 💛

Und jetzt würde mich wirklich interessieren, wie du darüber denkst.

Wie möchtest du heute kreativ lernen?

Buchst du dir gerne einen Workshop vor Ort und genießt es, ein paar Stunden ganz bewusst dafür zu reservieren? Magst du Onlinekurse, weil du damit unabhängig bist? Oder schlummert bei dir vielleicht auch der eine oder andere Kurs, den du „ganz bestimmt bald“ weitermachst? 😉

Auf meinem Blog gibt es keine Kommentarfunktion. Wenn du mir trotzdem erzählen möchtest, wie du darüber denkst, schreib mir gerne eine E-Mail.

Alles Liebe ♡

Katja Haas PapierLiebe Unterschrift

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