Collagrafie Drucken mit Karton und Gelli Print – botanische Druckplatten mit strukturierter Oberfläche

Collagrafie – Drucken mit Karton, Milchkarton & einfachen Materialien

Collagrafie – und wie ich erst später gemerkt habe, dass ich sie längst mache

Manchmal bekommen Dinge erst im Nachhinein einen Namen. Als ich das erste Mal eine selbstgeklebte Kartonplatte auf meine eingefärbte Gelli Platte gelegt habe, war das kein „Ich probiere jetzt Collagrafie aus“. Es war eher ein neugieriges: Was passiert eigentlich, wenn …?

Ich hatte eine einfache, aus Karton ausgeschnittene Blatt-Form vor mir. Aufgeklebt, getrocknet – eigentlich ganz unspektakulär. Und dann habe ich sie auf meine Gelli Platte gedrückt. Fast so wie einen Stempel. Als ich das Papier daraufgelegt und später wieder abgezogen habe, war ich ehrlich fasziniert.

Und ganz ehrlich?
Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal, dass das, was ich da mache, Collagrafie heißt. Ich habe einfach ausprobiert. Geschnitten. Geklebt. Gedruckt. Und mich über das Ergebnis gefreut. Erst später habe ich gemerkt: Diese Technik hat einen Namen. Und sie ist viel größer, als ich dachte.

Und genau dieses Experiment hat mir gezeigt, wie wunderbar Collagrafie und Gelli Print zusammenpassen.

Collagrafie klingt im ersten Moment vielleicht ein bisschen nach Kunstakademie oder Werkstatt mit schwerem Gerät 😉 Aber in Wahrheit ist sie herrlich bodenständig. Du brauchst keine Druckpresse, kein Spezialwissen und keine perfekte Zeichnung. Nur deine Hände – und Lust, etwas auszuprobieren. Und genau das macht diese Technik so zugänglich.

Was ist Collagrafie eigentlich?

Ganz einfach erklärt:

  • Material wird aufgebaut oder bearbeitet, um eine Druckplatte zu schaffen
  • Diese Druckplatte wird eingefärbt und auf Papier gedruckt
  • Es entsteht ein gedruckter Abdruck (ein Collagraph)

Mehr ist es im Grunde nicht.

Das Besondere daran ist, dass du – anders als beim Linolschnitt – nicht Material wegschneidest, sondern deine Druckplatte aufbaust. Du klebst, schichtest, schneidest Formen aus und erschaffst dir deine ganz eigene Struktur. Jede kleine Kante, jede Unebenheit wird später im Druck sichtbar. Und genau das macht den Reiz aus.

Vielleicht kennst du Collagrafie schon – ohne es zu wissen

Mein Milchkartondruck-DIY-Projekt für Ostern ist im Grunde auch eine Form der Collagrafie.

Milchkarton Druck DIY – Osterkarte gedruckt mit selbstgemachter Collagrafie-Platte

Denn auch dort entsteht eine Druckplatte aus einem Alltagsmaterial. Du schneidest oder ritzt dein Motiv in den Milchkarton, klebst sie auf einen Trägerkarton, färbst die Fläche ein und druckst sie auf Papier. Das Prinzip ist dasselbe. Collagrafie ist also nichts Abgehobenes – sie steckt in vielen Druckprojekten, die wir oft einfach „Drucken“ nennen.

Warum ich Collagrafie so liebe 💛

Ich liebe diese Drucktechnik, weil sie so unkompliziert ist. Weil sie aus Resten entsteht – aus Verpackungen, die sonst im Müll landen würden. Aus Kartonstücken, die eigentlich niemand mehr braucht. Ich liebe, dass man schneiden darf, ohne perfekt zu sein. Dass kleine schiefe Kanten später im Druck plötzlich Charakter bekommen. Ich liebe diesen Moment, wenn ich das Papier vorsichtig abziehe. Dieses leise Staunen. Dieses „Oh!“, weil man nie ganz genau weiß, was passiert ist. Und vielleicht liebe ich sie auch deshalb, weil sie keinen Leistungsdruck kennt. Du musst nichts „können“. Du darfst ausprobieren. Du darfst experimentieren. Du darfst überrascht werden.

Hier ein Beispiel von der Druckplatte (links) und dem fertigen Druckergebnis (rechts). Der Druck wurde über eine Gelli Plate gemacht, weshalb die Druckplatte und das Ergebnis auch seitengleich sind.

Collagrafie – Druckplatte und Druckergebnis

In diesem Beitrag geht es aber um eine besonders einfache Form der Collagrafie

Hier konzentrieren wir uns auf von Hand geschnittene, geklebte und gedruckte Collagrafien, die du ganz unkompliziert aus Karton und Pappe herstellen kannst. Du brauchst also kein spezielles Equipment – ein Blick in deine Altpapierkiste reicht vermutlich völlig aus 😉 Gerade wenn dein Alltag voll ist und du dir nur eine kleine kreative Auszeit gönnen möchtest, ist das ideal. Kein großes Vorbereiten. Kein Perfektionismus. Einfach anfangen.

Das brauchst du für deine erste Collagrafie

Du brauchst nicht viel – und vieles davon hast du vermutlich ohnehin zuhause:

  • Pappe und/oder Karton (am besten aus Altpapier – z. B. Versandkartons). Für den Druckstock verwende ich gerne stabile Graupappe – wie z. B. diese hier*
  • Klebstoff – ich arbeite am liebsten mit einem matten Gel Medium – wie z. B. dieses hier*
  • Pinsel zum Auftragen des Klebstoffs
  • Bleistift
  • Schere
  • Transferpapier (Carbon-/Graphitpapier), wenn du Motive übertragen möchtest – z. B. dieses hier* 
  • Washi-Tape oder Malerkrepp
  • Schneidematte
  • Schneidelineal
  • Cuttermesser

Für einfache Muster reichen Karton, Schere und Kleber völlig aus. Du darfst ganz klein anfangen.

Deine DIY Collagrafie Anleitung mit Karton

So erstellst du eine Collagrafie-Druckplatte

Für unseren ersten Collagrafie-Druck machen wir ganz einfache Muster, die überhaupt keine Zeichenkünste erfordern ;-)

Schritt 1: Formen zeichnen

Zeichne einfache Kreise in unterschiedlichen Größen mit einem Bleistift auf ein Stück Karton deiner Wahl. Ich verwende dafür tatsächlich sehr gerne Verpackungskartons von Amazon 🙈, weil sie weich und leicht zu schneiden sind, aber trotzdem eine schöne Dicke haben.

Collagrafie Druckplatte erstellen

Schritt 2: Ausschneiden

Schneide deine Kreise aus – entweder mit der Schere oder mit dem Cuttermesser. Kleine Unregelmäßigkeiten sind ausdrücklich erlaubt. Im Druck wirken sie später oft besonders lebendig.

DIY Collagrafie Anleitung – ausgeschnittene Kartonformen für die Druckplatte

Schritt 3: Aufkleben

Ordne deine Kreise auf einer stabilen Grundplatte aus Graupappe an. Spiele ein wenig mit Abständen, Überlagerungen und Komposition. Erst wenn es sich für dich stimmig anfühlt, klebst du alles fest. Trage den Klebstoff gleichmäßig auf und drücke die Elemente gut an. Lass deine Platte anschließend vollständig trocknen. Dieser Schritt ist wichtig – sonst lösen sich Teile beim Einfärben wieder ab.

Optional kannst du deine fertige Platte mit einer dünnen Schicht Gel Medium versiegeln. Das macht sie robuster und langlebiger.

Collagrafie Druckplatte erstellen

Collagrafie ohne Presse – so druckst du von Hand

Viele denken, man brauche für diese Collagrafie Drucktechnik eine Druckpresse – aber das stimmt nicht. Collagrafie ohne Presse funktioniert wunderbar mit einem Löffel oder Falzbein. Trage mit einer Walze eine dünne Schicht Acrylfarbe auf deine Druckplatte auf. Lege dein Papier vorsichtig darüber und streiche mit einem Löffel oder Falzbein gleichmäßig darüber. Achte darauf, auch die Ränder gut zu bearbeiten.

Collagrafie – Druckplatte mit Farbe vesehen

Und dann kommt der schönste Moment: langsam abziehen. Manchmal wird der Druck kräftig. Manchmal zart. Meist leicht ungleichmäßig. Aber immer einzigartig. Und genau diese kleinen Überraschungsmomente machen süchtig. Und diese unperfekte Struktur im Druck-Ergebnis liebe ich einfach!

Collagrafie ohne Presse – Handdruck mit Löffel von Kartonplatte

Hier noch ein Beispiel mit zweifarbigem Überdruck. Damit kann man super spielen und viele unterschiedliche Druckergebnisse erzeugen. Hier beginnt der Spaß erst so richtig 😉

Collagrafie – zweifarbig überdrucken

Weitere Ideen für deine Collagrafie-Druckplatte

Vielleicht denkst du gerade: „Okay, Kreise aus Karton – verstanden. Aber was geht noch?“

Ganz viel 😉

Collagrafie lebt davon, dass du Materialien kombinierst und Strukturen aufbaust. Du bist nicht auf ausgeschnittene Formen beschränkt. Im Gegenteil – oft sind es gerade die unscheinbaren Dinge, die besonders spannende Drucke ergeben.

Fäden oder Schnüre aufkleben

Dicke Baumwollfäden, Paketschnur oder dünne Kordel erzeugen wunderschöne Linien. Je nach Stärke entstehen feine oder kräftige Druckspuren. Besonders spannend wird es, wenn du die Fäden leicht geschwungen aufklebst – fast wie gezeichnete Linien.

Mit der Heißklebepistole „zeichnen“

Mit Heißkleber kannst du direkt auf deine Grundplatte Muster oder organische Linien „konstruieren“. Punkte, Netze, abstrakte Formen – alles ist möglich. Nach dem Trocknen entsteht eine leicht erhöhte Struktur, die beim Drucken sehr markant wirkt. Es fühlt sich ein bisschen an wie Zeichnen – nur eben mit Relief.

Tixo oder Malerkrepp verwenden

Auch Klebeband funktioniert wunderbar. Du kannst Streifen aufkleben, überlappen lassen oder geometrische Muster bauen. Das ergibt klare, grafische Strukturen – perfekt, wenn du es etwas ruhiger oder moderner magst.

Netze von Kartoffeln oder Orangen aufkleben

Diese feinen Kunststoffnetze, in denen oft Obst oder Gemüse verpackt ist, ergeben unglaublich spannende Muster. Schneide ein Stück zurecht und klebe es flach auf deine Druckplatte. Beim Drucken entstehen organische Gitterstrukturen – manchmal fast wie Spitze, manchmal wie ein abstraktes Netz.

Gerade solche Materialien zeigen, wie vielseitig Collagrafie sein kann. Du brauchst nichts Neues kaufen. Du darfst einfach anders hinschauen.

Strukturkarton kombinieren

Wellpappe, geriffelter Karton oder Verpackungsmaterial mit Struktur können ebenfalls aufgeklebt werden. Dadurch entstehen spannende Oberflächen, die im Druck ganz eigene Effekte erzeugen.

Hier geht es nicht um perfekte Motive. Es geht um Höhenunterschiede, um Linien, um Flächen. Um Rhythmus. Und um das kleine Staunen, wenn du das Papier abziehst und plötzlich ein Muster sichtbar wird, das vorher nur ein Stück Verpackung war.

Collagrafie & Gelli Print – eine wunderschöne Kombination

Wenn du schon mit der Gelli Plate arbeitest, kannst du deine Collagrafie-Platte auch dort einsetzen. Lege deine strukturierte Kartonplatte auf die eingefärbte Gelli Plate, drücke sie leicht an und ziehe sie wieder ab. Danach druckst du wie gewohnt dein Papier ab. So entstehen spannende, organische Hintergründe mit Tiefe und Struktur – perfekt für Mixed Media, Karten oder Journaling-Seiten. Und genau hier beginnt oft dieses kreative Spiel, bei dem man völlig die Zeit vergisst 🌿

Collagrafie mit Schrift – ein kleiner Perspektivenwechsel

Die Collagrafie Drucktechnik funktioniert übrigens nicht nur mit Formen, Blättern oder abstrakten Mustern – sondern auch mit Schrift.

Auch dieses Schriftprojekt habe ich als Milchkarton Druck DIY umgesetzt – mit seitenverkehrt ausgeschnittenen Buchstaben. Ich habe die Buchstaben ausgeschnitten und als Druckplatte verwendet. Der Moment, wenn aus einfachen Karton-Buchstaben plötzlich eine typografische Druckfläche wird, ist wirklich etwas Besonderes.

Typografische Collagrafie – Schrift mit Milchkarton gedruckt

Aber hier kommt ein ganz wichtiger Punkt: Wenn du mit Schrift arbeitest, musst du sie seitenverkehrt anlegen. Denn beim Drucken kehrt sich das Motiv um. Das, was auf deiner Druckplatte richtig lesbar ist, erscheint im Abdruck spiegelverkehrt. Und umgekehrt.

Collagrafie mit Schrift – Druck aus seitenverkehrtem Milchkarton-Motiv

Das heißt: Dein Motiv muss auf der Platte spiegelverkehrt sein, damit es im Druck richtig herum erscheint. Gerade bei einzelnen Buchstaben lohnt es sich, kurz innezuhalten und zu überprüfen: Ist das jetzt wirklich gespiegelt? Klingt komplizierter, als es ist 😉

Ein kleiner Trick: Halte deine Druckplatte vor einen Spiegel oder fotografiere sie mit dem Handy und spiegle das Bild digital. So siehst du sofort, ob alles passt.

Und falls du es doch einmal „falsch herum“ druckst – auch das darf sein. Manchmal entstehen daraus die spannendsten Gestaltungen.

Mit offenen Augen durch den Alltag – Collagrafie beginnt oft im Küchenschrank

Manchmal beginnt Collagrafie nicht am Basteltisch – sondern beim Ausräumen der Einkaufstasche.

  • Das Netz von den Orangen.
  • Die Wellpappe im Versandkarton.
  • Die Paketschnur.
  • Ein Stück Tixo.
  • Plötzlich sind es nicht mehr „Reste“, sondern mögliche Druckstrukturen.

Und genau das liebe ich so sehr an dieser Technik: Sie verändert deinen Blick. Du gehst durch deinen Alltag und entdeckst Formen, Muster, Oberflächen. Du beginnst zu sammeln – nicht aus Konsum, sondern aus Neugier. Collagrafie ist deshalb nicht nur eine Drucktechnik. Sie ist auch eine Haltung. Ein spielerisches „Was wäre, wenn …?“ mitten im ganz normalen Leben. Und manchmal liegt die nächste Druckplatte tatsächlich schon im Küchenschrank.

Bevor du heute also etwas wegwirfst, schau noch einmal hin. Vielleicht hältst du gerade deine nächste Collagrafie in der Hand ;-)

Ich wünsche dir ganz viel Spaß beim Ausprobieren und Drucken!

Alles Liebe ♡ HAPPY PRINTING

Katja Haas PapierLiebe Unterschrift

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