Falsche Kalligrafie | Faux Calligraphy

Faux Calligraphy – So einfach geht Falsche Kalligrafie

Was ist Faux Calligraphy?

Faux Calligraphy oder auch „Falsche Kalligrafie“ bzw. „Fake Calligraphy“ genannt, ist eine Handlettering-Technik, mit der man den Kalligrafie-Effekt nachahmen kann. Dieser besticht durch den sogenannten Schwellstrich (dicke Abwärts- und dünne Aufwärtsstriche) und lässt sich vom Schreiben mit der Spitzfeder ableiten. Du kannst Faux Calligraphy mit vielen Schreibgeräten erstellen – egal ob mit Bleistift, Fineliner, Permanent Marker oder Kreidemarker.

Um dir diese Handlettering-Technik aber besser erklären zu können, muss ich zuerst etwas weiter ausholen. Die Kalligrafie ist ja u. a. für ihre dünnen Aufwärts- und dicken Abwärtsstriche bekannt. Dort nennt man diesen Effekt Schwellstrich, der je nach Druck auf die Spitzfeder erzeugt wird und so unterschiedliche Linien-/Strichstärken auf das Papier zaubert. Klingt kompliziert? Ist es aber nicht. Ich zeige dir das mal kurz:

Der Schwellstrich

Aufwärtsstrich Moderne Kalligrafie

Aufwärtsstrich

Um eine möglichst dünne Linie zu erhalten und damit die Feder nicht über das Papier kratzt, soll beim Aufwärtsstrich so wenig Druck wie möglich angewendet werden.

Abwärtsstrich Moderne Kalligrafie

Abwärtsstrich

Beim Abwärtsstrich spreizen sich durch sanften Druck auf die Feder die Federspitzen wodurch eine größere Menge Tinte fließen kann – so entsteht eine dicke Linie.

Mittelstrich Moderne Kalligrafie

Mittelstrich

Der Mittelstrich wird mit ebenso wenig Druck wie beim Aufwärtsstrich ausgeführt. Beispiele für horizontale (Mittel-)Linien sind z. B. der Querbalken beim „A“ oder „t“.

Die Technik der dünnen Aufwärts- bzw. dicken Abwärtsstriche wird auch beim Brush-Lettering (Schreiben mit dem Pinselstift) angewendet. Was aber in der Kalligrafie mit der Spitzfeder gemacht wird, übernimmt beim Brush-Lettering die flexible Pinselspitze.

So, jetzt weißt du zumindest einmal, was ein Schwellstrich ist und wie er funktioniert. Vielleicht hast du jetzt aber gar keine Spitzfeder oder Brush Pen (Pinselstift) zur Hand? Möglicherweise kannst du noch gar nicht so recht damit umgehen (das kannst du aber ändern ;-) … vielleicht möchtest du aber auch auf einem Material schreiben, wofür Spitzfeder, Brush Pen & Co nicht geeignet sind – wie z. B. Glas, Stoff, Stein etc. Dann kommt Faux Calligraphy zum Einsatz. Aber nicht nur dann! Diese Handlettering-Technik ist auch eine wunderbare Methode, um in die Welt des Handletterings einzusteigen und sowieso und überhaupt kann man Faux Calligraphy überall anwenden. Probier es gleich mal aus, du wirst sehen, es macht Spaß!

Das brauchst du für Faux Calligraphy

Du brauchst für diese Handlettering-Technik keine speziellen Stifte. Schnapp dir einfach einen Bleistift, einen Fineliner, einen Filzstift oder Kugelschreiber … es ist ganz egal, welchen Stift du dafür verwendest. Wichtig ist nur, dass der Stift keine flexible Pinselspitze hat, sonst könnten wir das ja sowieso auch gleich mittels Brush-Lettering umsetzen ;-)

So funktioniert Faux Calligraphy

Schritt 1: Schreibe zuerst das Wort/die Wörter auf ein Blatt Papier. Die Ausgangsbasis ist also ein Monoline-Schriftzug. Monoline ist ein Schriftstil, bei dem es keinen Unterschied zwischen dünnen Aufwärts- und dicken Abwärtsstrichen gibt. Die Linienstärke des Letterings ist durchgehend gleich und variiert hier lediglich durch die Wahl des Schreibwerkzeuges.

be happy – Faux Calligraphy Schritt 1

Schritt 2: Überlege dir im nächsten Schritt, an welchen Stellen du mit deiner Linie von oben nach unten gehst. Das sind nämlich die sogenannten Abwärtsstriche.

be happy – Faux Calligraphy Schritt 2

Schritt 3: Zeichne bei allen Abwärtsstrichen versetzt eine zweite Linie ein – es spielt dabei keine Rolle, ob du die Linien links oder rechts vom eigentlichen Strich setzt. Ich persönlich bevorzuge die Linien auf der rechten Seite. Falls aber zu wenig Platz ist, setze ich die Linie auch auf der linken Seite. Achte darauf, dass die Abstände bei allen Buchstaben so gut wie möglich gleich sind und verbinde die Enden der geraden Abwärtsstriche oben und unten.

be happy – Faux Calligraphy Schritt 3

Schritt 4: Fülle die so entstandenen Zwischenflächen aus, damit bei all deinen Abwärtsstrichen eine homogene dicke Linie entsteht. Du kannst diese Zwischenflächen auch als Gestaltungs-Element nutzen und sie entweder mit einer anderen/bunten Farbe ausmalen oder – sofern genug Platz ist – auch ein Muster einzeichnen. Das empfiehlt sich aber nur bei größeren Buchstaben bzw. Zwischenräumen, sonst wird es eine echte Herausforderung ;-)

be happy – Faux Calligraphy Schritt 4

So könnte zum Beispiel eine Variante mit Farbe aussehen:

Übrigens funktioniert Faux Calligraphy nicht nur bei einer Schreibschrift (Script Lettering). Du kannst das gleiche Prinzip auch bei Druckbuchstaben anwenden und ganz beliebig miteinander kombinieren.

be happy be you – Faux Calligraphy
Freebie: 10 Handlettering-Tipps für Anfänger und Fortgeschrittene

Mein Faux-Calligraphy-Tipp

Faux-Calligraphy-Schummelzettel

Der Faux-Calligraphy-Schummelzettel

Einen Tipp möchte ich dir abschließend noch auf deine Handlettering-Reise mitgeben: Wenn du das Gefühl hast, dass dein Wort in Faux Calligraphy komisch aussieht, dann könnte es unter Umständen daran liegen, dass du die Strich-Verstärkungen nicht an den richtigen Stellen angebracht hast. Schau also deinen Schriftzug noch einmal genau an und vergleiche dazu die Buchstaben auf meinem Faux-Calligraphy-Schummelzettel* ;-) In diesem Sinne: HAPPY LETTERING ♡

*Spickzettel/Schwindelzettel

Katja Haas PapierLiebe Unterschrift

PS: Leere Linienraster zum Ausdrucken & Üben findest du übrigens hier.

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