COLOR & FLOW – Aquarell & Mixed Media

Aquarell trifft Mixed Media: Warum ich Wasserfarben gerade neu entdecke

Ich kann nicht malen. Das konnte ich noch nie. Und trotzdem stehen Aquarellfarben schon seit vielen Jahren regelmäßig auf meinem Schreibtisch.

Angefangen hat das bei mir mit dem Handlettering. Ich habe mit Aquarellfarben Buchstaben gezeichnet, Hintergründe gestaltet, Farbverläufe ausprobiert und auch Loose Watercolor Flowers gemalt. Wobei das mit dem „Malen“ bei mir ja, wie gesagt, so eine Sache ist. 😉

Aquarell-Alphabet Handlettering
Spring vibes – Watercolor-Tipp: Maskieren mit Etikettenpapier
Masking Fluid, Maskierflüssigkeit, Maskiergummi

Meine erste Begegnung mit Aquarell liegt sogar noch viel länger zurück. Lange bevor Handlettering bei mir überhaupt ein Thema war, habe ich einmal einen Aquarellkurs an der VHS besucht.

Ich fand das damals total spannend. Aber ich war auch ziemlich schnell überfordert, denn da wurden tatsächlich Bäume, Tiere und andere erkennbare Dinge gemalt. 😅 Und genau da wurde es bei mir schwierig. Was auf der Vorlage noch eindeutig nach Baum aussah, hatte auf meinem Papier eher… nun ja… Interpretationsspielraum. 😉

Ich hab in meinem Archiv gestöbert und sogar ein Foto gefunden, das ich damals gemalt hatte.

Aquarell-Bild mit Bäumen

Zugegeben, so schlecht war es für mich als blutige Anfängerin gar nicht. 🫣

Das klassische Aquarellmalen wurde jedenfalls nicht meine große Leidenschaft. Die Farben selbst mochte ich aber schon damals sehr gerne.

Viele Jahre später sind mir Aquarellfarben beim Handlettering wieder begegnet. Und plötzlich hatte Aquarell für mich ganz anders funktioniert. Irgendwann wurde aus dieser Kombination sogar eines meiner Bücher mit dem Titel Brush-Lettering & Watercolor. Dieses Buch gibt es inzwischen leider nicht mehr zu kaufen, meine Freude an Wasserfarben ist aber geblieben.

Muss man für Aquarell malen können?

Ich finde: nicht. Und vielleicht mag ich Aquarell heute genau deshalb so gerne. Natürlich gibt es Menschen, die damit unglaublich detailreiche Landschaften, Tiere, Blumen oder Porträts malen. Davon konnte ich mich beim VHS-Kurs persönlich überzeugen. Ich bewundere das sehr. Ich gehöre nur definitiv nicht dazu. 🫣

Mich interessiert viel mehr, was Farbe machen kann, wenn ich ihr ein bisschen Platz lasse. Ein Kreis muss nicht perfekt rund sein. Eine Farbfläche darf über den Rand laufen. Zwei Farben dürfen sich treffen und dort etwas machen, das ich vorher nicht geplant habe. Genau das finde ich beim abstrakten Malen richtig spannend.

Du brauchst dafür keine perfekte Vorzeichnung und musst auch nicht wissen, wie man einen Baum perspektivisch korrekt aufs Papier bekommt. Du kannst mit einfachen Formen beginnen und schauen, was daraus entsteht.

Aquarell Mixed Media – einfaches Beispiel
Aquarell Mixed Media – einfaches Beispiel

Aquarell darf heute bei mir ein bisschen wilder werden

Ich beschäftige mich gerade wieder intensiver mit Aquarellfarben. Dieses Mal allerdings anders als früher. Zu den Wasserfarben kommen jetzt einfach noch andere Sachen dazu. Acrylfarben zum Beispiel, Kreiden, Tinte oder verschiedene Stifte. Und wahrscheinlich wird im Laufe der Zeit noch einiges mehr auf meinem Papier landen – an Material mangelt es bei mir auf jeden Fall nicht … 🤪

Und genau da landen wir bei Mixed Media.

Ich mag diese Art zu arbeiten sehr, weil ich dabei endlich all die Stifte, Farben und Materialien verwenden kann, die sich über die Jahre bei mir angesammelt haben. Und das sind einige. 😅 Aquarellfarben, Acrylfarben, Kreiden, Tinten, Marker und Unmengen an verschiedenen Stiften, die irgendwann einmal unbedingt bei mir einziehen mussten.

Aquarell-Mixed-Media Materialien

Bei Mixed Media kann ich genau damit experimentieren. Ich muss mich nicht für eine Technik entscheiden, sondern kann ausprobieren, was miteinander funktioniert und worauf ich gerade Lust habe. So bekommen manche meiner gesammelten Schätze endlich wieder Tageslicht zu sehen. 😉

Und vermutlich passt Mixed Media genau deshalb so gut zu meiner Multikreativität, weil ich mich sowieso nur schwer für eine Technik entscheiden kann.

Was ist Mixed Media eigentlich?

Mixed Media bedeutet ganz einfach, dass du in einem Bild unterschiedliche künstlerische Medien miteinander kombinierst, beispielsweise Aquarell mit Tinte, Kreide, Acrylfarbe oder Collage. Und beim Auftragen dieser Medien darf ruhig alles Mögliche an Werkzeug eingesetzt werden. Was davon tatsächlich auf deinem Bild landet, entscheidest du selbst. Und du brauchst dafür auch keinen halben Künstlerbedarf. Für den Anfang reichen ein paar Materialien völlig aus. Ich bin mir ziemlich sicher, dass du schon vieles zu Hause hast.

Ich kenne das selbst sehr gut: Man entdeckt eine neue Technik und ungefähr sieben Minuten später sind 14 Browser Tabs geöffnet mit Dingen, die man offenbar UNBEDINGT braucht. Und der Amazon Warenkorb ist natürlich auch schon gut gefüllt. 😉

Warum Aquarell und Mixed Media so gut zusammenpassen

Was ich an Aquarell besonders mag, ist die Transparenz. Du kannst mehrere Farbschichten übereinanderlegen und die unteren bleiben trotzdem sichtbar. Manche Bereiche sind kräftiger, andere fast durchsichtig. Dazu kommen die typischen Verläufe und Ränder, die durch Wasser entstehen.

Bei Mixed Media kannst du danach ganz bewusst etwas dagegensetzen. Mal braucht es für mich noch eine dunkle Linie, mal ein paar Spritzer oder eine weitere Fläche. Und manchmal ist das Bild auch einfach fertig.

COLOR & FLOW – Aquarell & Mixed Media

Aber wie fängt man bei einem abstrakten Bild überhaupt an?

Vielleicht kennst du ja den Moment, an dem man vor einem weißen Blatt Papier sitzt und sich denkt: OK. Und jetzt? Ich kenne das nur zu gut. 😉 Mir hilft es, gar nicht lange darüber nachzudenken, was am Ende daraus werden soll.

Ich beginne gerne mit etwas ganz Einfachem. Einer größeren Fläche zum Beispiel. Oder einem Kreis, der bei mir ohnehin nie ein perfekter Kreis werden wird. Ein bisserl Wasser aufs Papier, Farbe dazu und erst einmal beobachten, was passiert.

Aquarell Mixed Media – Das weiße Blatt Papier
Aquarell Mixed Media – Der erste Schritt

Ein kleiner Tipp am Rande: Wenn es dir schwerfällt, einfach draufloszumalen, dann nimm den Pinsel einmal in deine andere Hand. Bei mir wäre das die linke. Damit lässt sich nämlich gar nicht mehr alles so wunderbar kontrollieren – genau das ist hier durchaus erwünscht.

Danach entsteht die nächste Form. Vielleicht überschneidet sie sich mit der ersten. Vielleicht braucht das Bild an einer Stelle mehr Farbe. An einer anderen nehme ich sie wieder mit einem Pinsel auf. Ich muss zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, wie das fertige Bild aussehen wird.

Denn während beim Handlettering schon zu Beginn festgelegt wird, welches Wort am Ende auf dem Papier stehen soll, ist das beim abstrakten Arbeiten ganz anders. Ich reagiere viel stärker auf das, was bereits da ist. Hin und wieder gefällt mir eine Stelle sofort. Und manchmal denke ich mir auch: Na servas. Was hab ich denn da jetzt gemacht? 😅

Dann kommt eben die nächste Schicht oder ein Stift. Oder ich lass das Ganze erst einmal liegen und schau später noch einmal drauf.

Aquarell Mixed Media – Ausschnitt

Du kannst das ganz einfach ausprobieren

Wenn du Aquarellfarben zuhause hast, nimm einmal ein stärkeres Papier (optimal wäre Aquarellpapier). Male eine größere, wässrige Form darauf – kein Motiv, nur eine einfache Form. Starte am besten eher hell und verwende ruhig viel Wasser. Mehr Farbe kannst du später immer noch ins Spiel bringen.

Lass an einer Stelle etwas mehr Farbe hineinlaufen und an einer anderen mehr Wasser stehen. Wenn die erste Fläche trocken ist, leg eine zweite darüber.

Und dann versuch, gar nicht zu viel darüber nachzudenken, was als Nächstes passieren soll. Nimm intuitiv einen Stift, eine Kreide oder eine andere Farbe in die Hand und mach einfach weiter. Eine Linie hier, ein paar Punkte dort, vielleicht noch eine Fläche darüber. Du musst jetzt noch nicht wissen, wo das Ganze am Ende hinführt.

Ich merke bei mir selbst immer wieder: Sobald ich zu lange überlege, ob diese Linie jetzt wirklich genau DA hingehört oder welche Farbe wohl am besten passen würde, wird es mühsam. Meistens entstehen die spannenderen Sachen dann, wenn ich einfach irgendetwas in die Hand nehme und draufloslege. Und wenn es zwischendurch komisch ausschaut? Na ja. Dann war das eben noch nicht die letzte Schicht. 😉

Aquarell Mixed Media mit Wattestäbchen
Aquarell Mixed Media mit Lego

Auch Wattestäbchen eignen sich prima für kleine Punkte und Muster. Und falls irgendwo in deinem Haushalt ein Lego-Block herumliegt: schnapp ihn dir! Damit lassen sich richtig coole Strukturen stempeln.

Du musst daraus nichts Bestimmtes machen. Genau das finde ich so angenehm.

Und sollte der Lego Block danach ein bisschen Farbe abbekommen haben, würde ich ihn vielleicht reinigen, bevor er wieder zurück ins Kinderzimmer wandert. Sicher ist sicher. Mit einem Babyfeuchttuch geht das übrigens ziemlich gut. Danach noch kurz mit Wasser abspülen und keiner merkt was. 😜

Für mich ist Mixed Media gerade die logische Fortsetzung

Wenn ich heute meine alten Aquarellarbeiten anschaue, wundert es mich eigentlich nicht, dass ich irgendwann bei Mixed Media lande. Ich habe schon damals gerne ausprobiert, Farben verlaufen lassen und unterschiedliche Techniken miteinander kombiniert. Jetzt darf einfach noch mehr davon aufs Papier.

Acrylfarbe? Aber sowas von fix! Tinte? Sehr wahrscheinlich. Altes Papier? Liegt ohnehin genügend herum. 😉 Und genau darauf habe ich richtig Lust.

Falls du bisher einen Bogen um Aquarell gemacht hast, weil du glaubst, dafür malen oder zeichnen können zu müssen: Schnapp dir ruhig einmal deine Wasserfarben und fang mit einer einfachen Fläche an. Mehr braucht es für den ersten Versuch wirklich nicht. Und sollte der Kreis am Ende ein Ei werden, sind wir schon zwei. 😉

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Alles Liebe ♡ HAPPY PAINTING

Katja Haas PapierLiebe Unterschrift

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