Füllfeder oder Federhalter – Was ist der Unterschied?

Füllfeder oder Federhalter: Was ist der Unterschied?

Vor ein paar Tagen ist eine Frage in meinem Mailpostfach gelandet, bei der ich zuerst dachte: Die beantworte ich schnell.

„Füllfeder oder Federhalter und was bevorzugst du?“

Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto klarer wurde mir, dass ich darauf gar nicht mit einem einfachen „Ich nehme lieber …“ antworten kann. Füllfeder und Federhalter fühlen sich beim Schreiben unterschiedlich an und bieten auch ganz andere Möglichkeiten.

Meine Antwort auf den zweiten Teil der Frage ist allerdings ziemlich eindeutig: den Federhalter – ganz klar. Ich mag schöne Federhalter schon allein als Werkzeug, ich kann verschiedene Federn einsetzen und bei den Farben aus dem Vollen schöpfen. Und sagen wir so: An mangelnder Auswahl an Federn und Tinten scheitert es bei mir eher nicht. 😉

Füllfedern hingegen führen in meinem Stifte-Fundus ein ziemlich ruhiges Dasein. Ich glaube, ich besitze gerade einmal zwei und selbst die kommen kaum zum Einsatz. Vielleicht steckt mir das tägliche Schreiben mit der Füllfeder aus meiner Schulzeit noch ein bisserl in den Knochen. Damals gehörte sie einfach dazu. Heute greife ich freiwillig fast immer zu etwas anderem. Trotzdem hat die Füllfeder natürlich ihre Berechtigung. Wenn ich einen längeren Brief handschriftlich schreiben wollte, würde ich vermutlich sogar sie aus der Lade holen.

Kleine Randnotiz zum Headerbild: Das habe ich mit KI erstellt. Meine echten Füllfedern hätte ich natürlich lieber fotografiert. Wenn ich nur wüsste, wo ich sie hingelegt habe. 🫣

Und bevor jetzt der Eindruck entsteht, ich hätte etwas gegen Füllfedern: Wenn ich die Wahl zwischen Füllfeder und Kugelschreiber habe, greife ich eindeutig zur Füllfeder. Allein das Schreibgefühl ist für mich ein ganz anderes. Und trotzdem habe ich im Alltag fast täglich einen Kugelschreiber in der Hand. Während ich das hier schreibe, frage ich mich gerade selbst: Warum eigentlich?

Aber schauen wir uns die beiden Schreibwerkzeuge ein bisserl genauer an:

Was ist der Unterschied zwischen Füllfeder und Federhalter?

Der größte Unterschied liegt eigentlich schon in der Art, wie die Tinte zur Feder kommt.

Eine Füllfeder hat einen eigenen Tintenvorrat, zum Beispiel in Form einer Patrone oder eines Konverters. Die Tinte wird während des Schreibens automatisch zur Feder geleitet. Du kannst also einfach weiterschreiben, ohne zwischendurch immer wieder Tinte aufnehmen zu müssen.

Beim Federhalter wird eine separate Schreibfeder eingesetzt. Diese tauchst du immer wieder in Tinte oder Farbe. Einen eingebauten Tintenvorrat gibt es nicht.

Das klingt zunächst vielleicht ein bisserl umständlicher. Für mich liegt aber genau darin ein großer Vorteil: Ich kann Feder und Farbe jederzeit wechseln und bin beim Schreiben viel flexibler.

Ganz vereinfacht gesagt: Wenn du längere Texte flüssig mit der Hand schreiben möchtest, ist die Füllfeder ausgesprochen praktisch. Beim kalligrafischen oder experimentellen Schreiben bietet mir der Federhalter deutlich mehr Möglichkeiten.

Eine Feder? Ich nehme lieber viele. 😉

Beim Federhalter kann ich die Schreibfeder innerhalb weniger Sekunden austauschen. Ich kann mit einer feinen Spitzfeder beginnen und kurz darauf eine Bandzugfeder, Redisfeder oder eine ganz andere Feder einsetzen.

Und genau diese Freiheit mag ich. Ich muss mich nicht schon beim Kauf eines Schreibgeräts auf eine bestimmte Feder festlegen, sondern suche mir aus meinem inzwischen ziemlich umfangreichen Federvorrat einfach jene aus, auf die ich gerade Lust habe.

Dass dieser Federvorrat möglicherweise ein kleines bisschen größer ist, als unbedingt notwendig wäre, lassen wir an dieser Stelle einfach einmal unkommentiert. 🤪

Bei einer Füllfeder ist die Feder dagegen Bestandteil des Schreibgeräts. Bei manchen Modellen lässt sie sich zwar austauschen, teilweise wird dafür die komplette Federeinheit gewechselt. So unkompliziert wie beim Federhalter funktioniert das normalerweise nicht.

Für mich spielt dabei noch etwas eine große Rolle: Ich liebe Schwellstriche. Mit einer elastischen Spitzfeder kann ich durch mehr oder weniger Druck beeinflussen, wie breit meine Linie wird. Beim Abstrich öffnet sich die Feder, beim Nachlassen des Drucks wird die Linie wieder fein.

Abwärtsstrich Moderne Kalligrafie
Aufwärtsstrich Moderne Kalligrafie

Vielleicht kennst du dieses Prinzip ja auch schon vom Brush-Lettering.

Natürlich gibt es auch bei Füllfedern unterschiedliche Federspitzen, zum Beispiel Breitfedern, Stub oder Italic Nibs. Auch flexible Federn, sogenannte Flex Nibs, gibt es. Die Auswahl an unterschiedlichen losen Schreibfedern für den Federhalter ist allerdings wesentlich größer.

Und wenn du es beim Schreiben noch ein bisserl experimenteller magst, muss es übrigens nicht immer eine klassische Schreibfeder sein. Eine meiner liebsten Varianten ist die Cola Feder, die du ganz einfach aus einer Getränkedose selber machen kannst. Wie das funktioniert, zeige ich dir in meinem Blogartikel → Cola Feder selber machen: DIY Anleitung

Tinte ist längst nicht alles

Auch bei der Farbe bietet mir der Federhalter viel Freiheit. Je nach Feder kann ich nicht nur mit klassischer Tinte schreiben, sondern zum Beispiel auch mit Wasserfarben, Gouache oder verdünnter Acrylfarbe. Sogar schimmernde und glitzernde Farben funktionieren richtig gut. Und genau solche kleinen Experimente mag ich. Farbe aussuchen, Feder eintauchen und schauen, was damit auf dem Papier passiert.

Kalligrafie mit Federhalter und Spitzfeder
Kalligrafie mit Spitzfeder und Federhalter in Gold

Warum ich so gerne mit dem Federhalter schreibe

Die vielen Federn und Farben sind allerdings nur ein Teil davon.

Ich mag dieses Gefühl, wenn ich einen schönen Federhalter in die Hand nehme und die Feder über das Papier kratzt. Ja, sie darf bei mir tatsächlich ein bisserl kratzen. 😉 Ich höre das gerne und merke beim Schreiben, wie ich automatisch langsamer werde. Ich würde sogar behaupten, dass mich das Schreiben mit der Feder total entschleunigt.

Ich sitze ohnehin viele Stunden vor dem Computer und tippe dort einen Großteil meiner Texte. Mit der Feder zu schreiben ist für mich das komplette Gegenstück dazu. Ich habe Papier vor mir, Farbe an den Fingern, das bleibt meistens sowieso nicht aus, und meine Hand macht wieder etwas anderes, als eine Maus über den Schreibtisch zu schubsen.

Beim Schreiben mit der Feder werde ich ruhiger. Ich kann nicht so schnell schreiben wie am Computer und will es auch gar nicht. Jeder Buchstabe entsteht mit der Hand und ich sehe unmittelbar, was Feder, Farbe und Papier miteinander machen.

Und dann finde ich kalligrafische Handschrift einfach wunderschön. Ich mag diese feinen Linien, die Schwellstriche und das Schriftbild, das nach und nach auf dem Papier entsteht. Und ja, ich bin auch immer ein kleines bisschen stolz, wenn ich am Ende vor einem Blatt sitze und mir denke: Das ist jetzt wirklich schön geworden.

Das darf man schließlich auch einmal über die eigene Arbeit sagen. 😅

Und irgendwie schließt sich damit auch ein Kreis. Die Kalligrafie war meine erste große Liebe, als ich begonnen habe, mich intensiver mit Handschrift und Handlettering zu beschäftigen. Wie ich überhaupt zur Kalligrafie gekommen bin und warum mich die klassische Feder bis heute nicht losgelassen hat, erzähle ich dir übrigens in meinem Blogartikel → Meine Reise in die Welt der Kalligrafie

Auch wenn später Brush Pens, Pinsel und viele andere Werkzeuge dazugekommen sind, die klassische Feder ist geblieben.

Vielleicht besitze ich deshalb auch deutlich mehr Federn und Federhalter, als ein Mensch vernünftigerweise brauchen würde. Aber über Vernunft reden wir bei Papier und Stiften bei mir besser nicht. 😉

Füllfeder oder Federhalter: Was würde ich dir empfehlen?

Die Frage ist auch: Was passt besser zu dir?

Wenn du vor allem längere Texte schreiben möchtest und ein unkompliziertes Schreibgerät für den Alltag suchst, ist eine Füllfeder wahrscheinlich die praktischere Wahl. Patrone hinein und losschreiben. Auch unterwegs ist sie wesentlich unkomplizierter, schließlich möchtest du vermutlich nicht unbedingt mit offenem Tintenfass in der Handtasche herumspazieren. 😉

Wenn du hingegen Kalligrafie ausprobieren möchtest, Schwellstriche liebst oder gerne mit unterschiedlichen Federn und Farben experimentierst, würde ich zum Federhalter greifen. Der braucht am Anfang vielleicht ein bisserl mehr Übung, bietet dir dafür aber viel mehr Möglichkeiten beim Gestalten.

Und wenn du mich persönlich fragst?
Ich bleibe bei meinem Federhalter mit der flexiblen Spitzfeder – ganz eindeutig sogar. 😉

Aber jetzt bin ich wirklich auch neugierig: Womit schreibst du lieber, Füllfeder oder Federhalter? Oder landet bei dir am Ende doch meistens der Kugelschreiber auf dem Papier?

Alles Liebe ♡

Katja Haas PapierLiebe Unterschrift

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