Spoiler: Tu ich natürlich nicht wirklich …
Trotzdem zucke ich innerlich jedes Mal ein kleines bisschen zusammen, wenn jemand zu mir sagt: „Ach, du bastelst beruflich!“ Eigentlich könnte ich einfach zustimmen. Schließlich verbringe ich einen großen Teil meines Tages mit Papier, Farben, Druckplatten, Scheren, Stempeln und allen möglichen Materialien. Und trotzdem fühlt sich dieses Wort für mich irgendwie nicht richtig an.
Als Kind habe ich schon immer gerne gebastelt. Schere, Kleber, Buntpapier und jede Menge Stifte – damals war Basteln einfach etwas Schönes. Irgendwann hat sich dieses Wort für mich aber verändert. Heute verbinde ich damit oft etwas, das schnell gemacht wird, eher für Kinder gedacht ist oder als nette Beschäftigung für zwischendurch gilt.
Wenn ich an meinem Schreibtisch sitze, fühlt sich das ganz anders an. Ich probiere Farben aus, drucke mit Blättern, schöpfe Papier oder experimentiere mit einer neuen Technik. Manchmal vergeht dabei ein ganzer Nachmittag, ohne dass ich auf die Uhr schaue. Es gibt Tage, an denen ein Druck sofort gelingt und andere, an denen zehn Probedrucke entstehen und am Ende genau ein Blatt übrig bleibt. Das gehört dazu. Und trotzdem sitze ich am nächsten Tag wieder voller Neugier an meinem Schreibtisch.
Ich glaube, deshalb verwende ich auch viel lieber den Ausdruck „kreativ sein“.
Darin steckt für mich viel mehr als das fertige Ergebnis. Ich liebe das Ausprobieren, das Entdecken und diese kleinen Überraschungen, wenn plötzlich etwas gelingt, womit ich selbst nicht gerechnet hätte. Während ich arbeite, verschwinden die Gedanken an To-do-Listen oft ganz von alleine. Stattdessen beobachte ich, wie sich eine Farbe verhält oder welche Struktur ein Blatt im Druck hinterlässt.
Schon oft habe ich mich gefragt, warum sich das Wort „basteln“ für mich nicht richtig anfühlt. Vielleicht, weil wir Erwachsenen diesem Begriff im Laufe der Zeit einen Stempel verpasst haben. Viele denken dabei sofort an Kindergarten, Kindergeburtstage oder Regentage mit Schere und Kleber. Dabei entstehen auch aus Papier Bücher, Druckgrafiken, Karten oder kleine Kunstwerke, in denen oft viele Stunden Arbeit, Erfahrung und Herzblut stecken.
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr habe ich das Gefühl, dass wir damit unbewusst auch die Kreativität selbst ein Stück weit abwerten. Sobald etwas mit Papier, Farben oder Schere entsteht, heißt es schnell: „basteln“
Zu einer Keramikerin würde das vermutlich niemand sagen. Auch eine Malerin oder ein Tischler erzählen nicht, dass sie den ganzen Tag gebastelt haben. Dabei unterscheiden sich diese Dinge oft gar nicht so sehr. Überall entstehen Ideen. Es wird ausprobiert, verworfen, neu begonnen und mit den eigenen Händen etwas geschaffen.
Vielleicht haben auch deshalb so viele Erwachsene irgendwann das Gefühl, sie wären gar nicht kreativ. Nicht, weil ihnen die Kreativität fehlt, sondern weil sie sie irgendwann mit etwas Kindlichem verbunden haben.
Ich wünsche mir, dass kreatives Gestalten wieder mehr Wertschätzung bekommt. Ganz egal, ob wir mit Papier arbeiten, mit Holz, Stoff, Ton oder vielleicht auch mit Pflanzen!? Etwas mit den eigenen Händen entstehen zu lassen, ist so viel mehr als eine nette Beschäftigung für zwischendurch.
Genau deshalb bin ich heute unglaublich dankbar, dass ich selbst irgendwann den Mut hatte, etwas Neues auszuprobieren. Kreativ war ich zwar schon mein ganzes Berufsleben. Als Grafik-Designerin haben Papier, Farben und Gestaltung immer zu meinem Alltag gehört. Trotzdem hätte ich damals nie gedacht, wohin mich diese Reise einmal führen würde.
Irgendwann ist Letterpress in mein Leben gekommen. Eigentlich war es nur eine Drucktechnik und die Maschinen, die mich fasziniert haben. Rückblickend war es aber viel mehr als das. Letterpress war der Stein, der alles ins Rollen gebracht hat. Ohne diese Technik hätte ich vermutlich nie mit Handlettering begonnen, keine Gelplatte ausprobiert und wahrscheinlich auch nie Papier geschöpft. Eine kreative Idee hat die nächste angestoßen und plötzlich hat sich eine völlig neue Welt für mich eröffnet.
Heute weiß ich, dass es nie nur um eine bestimmte Technik gegangen ist. Es war immer diese Freude am Entdecken. Die Neugier, etwas Neues auszuprobieren und dabei seinen ganz eigenen Weg zu finden.
Deshalb möchte ich dich einfach ermutigen, anzufangen, wenn du schon länger mit dem Gedanken spielst, selbst kreativ zu werden. Du musst nicht alles können und du brauchst auch kein besonderes Talent. So hat meine Reise schließlich auch begonnen.
Ich weiß natürlich nicht, welche Technik deine Reise einmal beginnen wird. Vielleicht wird es Handlettering. Vielleicht Gelli Print. Vielleicht entdeckst du etwas ganz anderes.
Wichtig ist nur, überhaupt anzufangen.
Und wenn ich dich dabei begleiten darf, freue ich mich sehr. In meinen Onlinekursen zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du ganz entspannt loslegen kannst. Ohne Druck, ohne Perfektionismus und mit ganz viel Freude am kreativen Gestalten.
Alles Liebe ♡





